Doppel-Abdankung in Spanien

Es war ein Tag der Trauer für die spanische Fußballnation, die daran zu kauen hatte, dass ihre berühmte Weltmeisterelf in Brasilien vom Thron gestoßen wurde und wie ein Häufchen Elend unterging. Und es waren zugleich Stunden des Jubels für Spaniens Monarchisten, die nach dem Abtritt des in Ungnade gefallenen alten Juan Carlos den 46 Jahre jungen König Felipe VI.

willkommen hießen.

Auf jeden Fall ein historischer Tag, der nach der Doppel-Abdankung auf dem Rasen wie an der Staatsspitze einen Neuanfang markieren wird. Und der zudem die Lehre mit sich brachte, dass Ansehen und Erfolg keine Selbstläufer sind, sondern stets aufs Neue durch harte Arbeit verdient werden müssen.

Der alte Juan Carlos fiel von seinem Denkmal, weil er zunehmend der Wirklichkeit entrückt war und mit dem Rücken zu den Bürgern regierte. Das viel gefeierte Team von Casillas & Co stolperte über den Irrglauben, dass der Höhenflug durch den Fußballhimmel unendlich währt. Hier wie dort ist zu erwarten, dass dem tiefen Absturz heilsame Reformen folgen werden. Das Königshaus hat mit seinem neuen Chef Felipe, der eine neue Epoche ankündigte, bereits den ersten Schritt gemacht. Doch der Thronfolger tritt ein außerordentlich schweres Erbe an: Denn das spanische Volk kehrt sich zunehmend von der Krone ab.

Der organisierte Jubel am Tag des Amtsantritts von Felipe kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich immer mehr Spanier eine Republik mit einem demokratisch gewählten Staatsoberhaupt wünschen. Felipe kann sich seiner Zukunft nicht sicher sein.

Die größte Herausforderung für den neuen Monarchen wird daher sein, Glaubwürdigkeit und Vertrauen zurückzuerobern. Felipe wird beweisen müssen, dass ein königlicher Staatschef, der per Adelsabstammung ins Amt rückt, sehr viel nützlicher für das Land sein kann, als ein demokratisch gewählter Staatspräsident.

Vor allem für Spaniens jüngere Generation, der zweifellos die Zukunft gehört, wirkt das verkrustete Königshaus heute wie ein antiquiertes Überbleibsel aus früheren Jahrhunderten. Deswegen war es höchste Zeit für eine Verjüngungskur, um von der Monarchie zu retten, was noch zu retten ist.

Dabei könnte es sich als Glücksfall erweisen, dass dem 46-jährigen Felipe mit der 41 Jahre alten Letizia eine bürgerliche und emanzipierte Königin zur Seite steht. Letizia, die aus einer ganz normalen Familie stammt, kennt wenigstens die raue Wirklichkeit außerhalb des Palastes.

Ob dieser frische Wind ausreicht, um die wachsende antimonarchische Stimmung zu drehen, wird sich zeigen. Die heftige öffentliche Debatte in Spanien darf jedenfalls als Warnung gelten, dass eine Monarchie keine unverrückbare Staatsform ist. Sondern dass auch Könige vom Sockel gestürzt werden können.

Letzteres gilt auch für die abgesetzten Fußball-Könige aus Spanien. Deren moralischer Verfall begann, als sie eine unverschämte WM-Titelprämie von 720 000 Euro pro Nase aushandelten - während viele spanische Familien mit Armut kämpfen.

Das brachte viele Fans, denen das Wasser bis zum Hals steht, gegen die Nationalmannschaft mit der königlichen Krone im Wappen auf. Auch auf dem Fußballrasen zeigte sich also: Wenn Könige ihr Volk gegen sich haben, dann können sie früher oder später einpacken.