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Donald Trump befeuert den Krieg der Zivilisationen

Donald Trump befeuert den Krieg der Zivilisationen

Etwas Besseres hätte Al Qaida und dem Islamischen Staat nicht passieren können. Der Präsident der Vereinigten Staaten - der westlichen Führungsmacht, die auf der ganzen Welt als Beschützer von Freiheit und Menschenrechten auftritt - schließt die Tore des Landes für Muslime . Mit jedem Foto von weinenden Familien, die durch Trumps Edikt plötzlich auseinandergerissen werden, wächst die Wut auf einen von vielen Muslimen ohnehin als heuchlerisch und selbstgefällig betrachteten Westen. Donald Trumps Krieg der Zivilisationen wird den islamistischen Terrorismus nicht besiegen können - aber er wird die Verständigung mit der muslimischen Welt noch schwieriger machen.

Noch profitiert Trump von der Zurückhaltung wichtiger muslimischer Staaten, die - aus welchen Gründen auch immer - von seinem Einreisetopp verschont blieben. Die Regierungen von Ländern wie Saudi-Arabien, Ägypten oder der Türkei gehen derzeit noch nicht auf die Barrikaden, weil sie es sich nicht mit dem neuen Mann im Weißen Haus verderben wollen. Aber was den Blick von Millionen Menschen in diesen Ländern auf den Westen angeht, hat Donald Trump schon in der ersten Amtswoche viel Schaden angerichtet.

Zumal der Einreisestopp nicht Trumps einziges eindeutig anti-muslimisches Signal ist. Er hat angekündigt, die amerikanische Botschaft in Israel von Tel Aviv nach Jerusalem zu verlegen - der Abschied von einer jahrzehntelangen Praxis, der den israelisch-palästinensischen Konflikt weiter anheizen könnte. Gleichzeitig lässt der Präsident ein verstärktes US-Engagement in Syrien vorbereiten und deutet einen neuen Versuch an, irakische Ölvorräte unter amerikanische Kontrolle zu bringen.

All das dürfte nicht ohne Folgen bleiben. Sunnitische Extremisten könnten wieder mehr Freiwillige anziehen. Der Iran könnte die von Trump verstärkte anti-westliche Stimmung im Nahen Osten beim Ausbau seines Einflusses in der Region ausnutzen. Statt westliche Verbündete unter den islamischen Staaten zu beruhigen, verunsichert der Präsident die Partner.

Bisher gibt es keine Anzeichen dafür, dass Trump diese Folgen bedacht hat. Der Populist an der Spitze der USA bedient die eigene Anhängerschaft, der es nicht islamfeindlich genug zugehen kann. Trumps Sicherheitsberater Michael Flynn bezeichnete den Islam , eine der großen Weltreligionen, einmal als "Krebsgeschwür". Rechtspopulisten in Europa werden Flynns Thesen dankbar aufgreifen und die Unvereinbarkeit von christlichem Westen und islamischem Osten predigen.

Inmitten dieser düsteren und gefährlichen Entwicklung gibt es einige Hoffnungsschimmer. In den USA gehen seit Tagen zehntausende Menschen auf die Straße, um die Freilassung der an den Flughäfen internierten Muslime zu fordern. US-Großunternehmen beginnen mit Solidaritätsaktionen für Muslime und Flüchtlinge. Umfragen in Amerika legen nahe, dass Trumps anti-islamische Rhetorik die Haltung vieler Bürger in den Vereinigten Staaten zu Muslimen positiv - und nicht negativ - beeinflusst hat.

Es bleibt aber die Chance: Trump könnte sich wegen des steigenden Drucks im eigenen Land zu Änderungen seiner Holzhammer-Politik gezwungen sehen. Die Menschen im Westen wie auch in der islamischen Welt müssen darauf hoffen.