Die Show kann beginnen

Wenn heute in Peking die XXIX. Olympischen Spiele eröffnet werden, schaut die Welt ins Reich der Mitte

Wenn heute in Peking die XXIX. Olympischen Spiele eröffnet werden, schaut die Welt ins Reich der Mitte. Das Fernsehen wird fantastische Bilder übertragen, die Chinesen werden stolz lächelnd ihre zeremoniellen Kostbarkeiten präsentieren, das IOC und die Marketing-Experten werden sich die Hände reiben, und die Athleten werden mitsamt den Sportsfreunden Adidas, Nike und Puma versuchen, das Beste aus dem Spektakel herauszuholen. Willkommen bei der Multi-Milliarden-Show Olympia. Hinter der glänzenden Fassade jedoch lauert der Frust. Die Spiele sind belastet durch politische Einflüsse und Proteste, und die Gastgeber haben einen großen Anteil daran. Chinas Führung, die trotz Öffnungstendenzen aus einer Kohorte angstbesetzter Antidemokraten besteht, will die Spiele dazu nutzen, das Land als blühende Wirtschaftsnation und neue Weltmacht vorzustellen. Peking hat 40 Milliarden Dollar investiert, um dem eigenen Volk und dem Rest der Welt zu imponieren. Man hat getrickst und gepokert, um die Bedenken der Kritiker zu zerstreuen - und muss nun feststellen, dass sich die aufgeklärten Menschen im freien Teil der Erde nicht bluffen lassen: China hat zwar viel Charme und Potenz, aber es ist und bleibt ein totalitäres System, das nicht nur den kleinen Nachbarn Tibet brutal unterdrückt.Das IOC wusste um das Risiko, als es die Spiele nach Peking vergeben hat. Jetzt stehen die Funktionäre unter dem Druck der Weltöffentlichkeit, tatsächlich für faire Regelungen und freie Berichterstattung nach westlichen Maßstäben zu sorgen. Ob dies gelingt oder ob der chinesische Polizeiapparat jeden kleinen Protest zum Anlass nimmt, die Bewegungsfreiheit der Journalisten und Olympia-Gäste einzuschränken, lässt sich noch nicht sagen. Fakt ist jedoch, dass die naiven Herrschaften vom IOC mit Präsident Rogge an der Spitze keine Goldmedaille verdient haben. Souverän und professionell ist das Management offenbar nur bei der Vermarktung der Spiele. Leider steht nach den Erfahrungen der vergangenen Monate zu befürchten, dass es keine wirklich freien Spiele werden, sondern verdruckste. Keine fröhlichen, sondern verspannte. Keine ehrlichen, sondern gedopte. Doch trotz aller Probleme bleibt Olympia das globale Sportspektakel, an dem sich Milliarden Menschen in aller Welt erfreuen (wollen). Deshalb bleibt zu hoffen, dass die Sportler unbeschwert auftrumpfen und Leistungen zeigen, die das negative Image der Spiele, das vom verkorksten Fackellauf geprägt und vom Verbots- und Sicherheitswahn befeuert wurde, vergessen lassen.