Der wertvolle Euro

Der Fall war nicht vorgesehen, als man den Euro erfand: Ein Mitglied der Währungsunion, das pleite ist? Noch ist es nicht so weit, aber die Schlange der Bittsteller, die in Brüssel um Hilfe suchen, wird länger. Bei diesem EU-Gipfel kommt Rumänien hinzu

Der Fall war nicht vorgesehen, als man den Euro erfand: Ein Mitglied der Währungsunion, das pleite ist? Noch ist es nicht so weit, aber die Schlange der Bittsteller, die in Brüssel um Hilfe suchen, wird länger. Bei diesem EU-Gipfel kommt Rumänien hinzu. Grund genug also für Untergangspropheten, das Ende der Euro-Zone auszumalen, ein Bild, gegen das sich die Optimisten wie Währungskommissar Joaquin Almunia anstemmen: Dem Euro passiert nichts, im Gegenteil, der Euro ist unsere Rettung - so sein Credo. Tatsächlich entpuppt sich die Gemeinschaftswährung als wichtigste stabile Säule, während rundherum alles zusammenbricht. Man stelle sich die Verwerfungen vor, die über Nacht ausgebrochen wären, wenn das Verhältnis zwischen D-Mark und den Nachbarwährungen aus den Fugen geraten wäre. Dass der Euro stabilisiert, steht außer Frage. Selbst der Verbraucher, der gerne vom Teuro spricht, hätte die Ölpreis-Explosion im Sommer kaum unbeschadet überstanden. Die Abrechnung des Rohöls in Dollar bei gleichzeitigem Höhenflug des Euro dämpfte den Preisanstieg. Der zusammen mit der Gemeinschaftswährung eingeführte Stabilitäts- und Wachstumspakt hat längst die Funktion einer Wirtschaftsregierung übernommen: Er diszipliniert, er reguliert, was in den Hauptstädten der EU an Etat-Leichtsinn eskaliert wäre. Wer ein Loblied auf den Euro schreiben will, kann jede Strophe aus den Bittschreiben erstellen, die von den Nicht-Mitgliedern in Brüssel eingehen. Dass die EU-Staats- und Regierungschefs bereits ernsthaft über die Frage diskutiert haben, ob man die Balten, Polen und Tschechen dadurch retten könne, dass man ihnen möglichst schnell den Euro schenkt, sagt alles. Islands Flirt mit der Union ergäbe eine weitere Strophe.Doch das Paradies gibt es nicht zum Schleuderpreis. Oft genug ist Deutschland in den letzten Jahren von innen und außen wegen seiner Ausgabendisziplin gerügt worden. Tatsächlich war das Ziel eines ausgeglichenen Haushaltes so etwas wie die unbewusste Vorsorge für den Fall, von dem niemand wusste, dass er eintreten würde. Diese Erfolge sind hausgemacht. Es ist sicher angebracht, die Stabilitätskriterien derzeit flexibler auszulegen. Aber es darf auch keine Frage sein, dass sie möglichst schnell wieder strikte Anwendung finden müssen. Vor diesem Hintergrund hat der zurückhaltende Umgang mit Staatsgeldern auch im Fall Opel etwas Beruhigendes. Das Bewusstsein, dass man mit Finanzspritzen der Regierung behutsam umgehen sollte, ist gewachsen. Auch das gehört zu den Verdiensten des Euro.