Der Tunnelblick lähmt

War das Satire? Oder eine Stichelei gegen die Parteifreundin und Saarbrücker Oberbürgermeisterin Charlotte Britz? Ziemlich sicher keines von beidem. Astrid Klug , Sozialdemokratin und Leiterin der Abteilung Energie im saarländischen Wirtschaftsministerium, sprach wohl in friedlicher Absicht, als sie am Mittwochabend beim Saarbrücker Bürgerforum mitteilte, dass das Land mit einer "Tunnelvorplanung" herausfinden wolle, ob das Projekt verkehrstechnisch überhaupt sinnvoll ist - und was es tatsächlich koste.

Seit Sommer 2003 wird das Projekt "Stadtmitte am Fluss", dessen Herzstück der Stadtautobahntunnel sein sollte, ernsthaft diskutiert. Erst wurde im städtischen Baudezernat geprüft und berechnet. Und im Saar-Wirtschaftsministerium wieder geprüft und wieder berechnet.

Die städtische Entwicklungsgesellschaft Giu berechnete den Tunnel Ende 2003 mit rund 100 Millionen Euro. 2005 korrigierten die Giu und Oberbürgermeisterin Charlotte Britz die Berechnungen auf 153 Millionen, ein Jahr später auf 160 Millionen Euro. 2013 wurde der Tunnel mit rund 200 Millionen Euro veranschlagt - und von Stadt und Land aus dem "Stadtmitte am Fluss"-Großprojektantrag für die Europäische Union gestrichen. Der Tunnelplan war so unrealistisch, dass man befürchtete, die EU könnte das komplette Projekt ablehnen - also unter anderem auch die Zuschüsse für die Sanierung der Berliner Promenade.

Das Problem: Der Bund, dem die Autobahn gehört, sah und sieht keinen Anlass, Geld in einen Tunnel zu pumpen, weil dadurch verkehrstechnisch nichts verbessert würde. Und wenn die Saarbrücker einfach ihre Stadt hübscher machen wollen durch eine Autobahnröhre, dann sollen sie das gefälligst selbst bezahlen, lautete die Botschaft aus Berlin.

Astrid Klug will nun zu Ende prüfen, "um dann mit einem vernünftigen und ehrlichen Ergebnis noch einmal in Gespräche mit potenziellen Geldgebern, in erster Linie dem Bund, eintreten zu können". Es sind schon einige Millionen in die Tunnelplanung investiert worden. Da klingt es nun durchaus sinnvoll, zu einem Endergebnis kommen zu wollen.

Dennoch: Wenn man die Stadtautobahn nur mit dem Tunnelblick betrachtet, tut man den Saarbrückern keinen Gefallen. Der Tunnel war 2003 ein Symbol für Aufbruch, für Bewegung in der Landeshauptstadt. Nun lähmt er, weil niemand einen Plan B entwickelt, der die Innenstadt von Lärm und Abgasen entlastet. Es ist aber höchste Zeit für diesen Plan B. Denn wie seit 13 Jahren dicke Tunnelbretter zu bohren und bis 2020 oder 2030 dies oder jenes zu versuchen, um vielleicht Geld zu kriegen, macht die Saarbrücker Innenstadt nicht lebens- und liebenswerter.