Der große Unbekannte fordert Obama heraus

Der große Unbekannte fordert Obama heraus

Washington. Nach sechs Monaten Wahlkampf und dem Einsatz von umgerechnet rund 240 Millionen Euro hat Mitt Romney sein erstes Etappenziel erreicht: Der 65-jährige Konservative wird Amtsinhaber Barack Obama im Rennen um die US-Präsidentschaft herausfordern

Washington. Nach sechs Monaten Wahlkampf und dem Einsatz von umgerechnet rund 240 Millionen Euro hat Mitt Romney sein erstes Etappenziel erreicht: Der 65-jährige Konservative wird Amtsinhaber Barack Obama im Rennen um die US-Präsidentschaft herausfordern. Mit knapp 70 Prozent der Stimmen sicherte sich Romney bei den Vorwahlen in Texas die notwendige Mehrheit von 1144 Delegierten, die seine Kür beim Parteitag der Republikaner in Tampa garantiert. "Es war ein langer, schwieriger Weg", räumt der reiche Privatier ein, der acht Jahre auf diesen Moment hingearbeitet hat.Wohl wahr: Bis zum Schluss misstrauten der rechtspopulistische Tea-Party-Flügel und die christlichen Fundamentalisten dem Kandidaten - er wird das Image nicht los, ein Wendehals zu sein. In einer Art politischem "Speed-Dating" flirteten die Republikaner deshalb mit immer neuen Anwärtern. Dass die Partei am Ende doch Romney küren wird, hat wenig mit Liebe, einiges mit Vernunft und viel mit der finanziellen Potenz des Kandidaten zu tun. Romney überflutete die TV-Sender mit negativen Werbespots über seine Konkurrenten, die sich dagegen nicht ansatzweise wehren konnten.

Erfahrene Analysten wie Margaret Carlson staunen darüber, dass Romney immer noch eine "unbekannte Größe" ist. Die Bürger wüssten mehr darüber, dass er "seinen Hund auf dem Autodach transportiert hat, als über seine politischen Überzeugungen." Dabei hätte der Kandidat durchaus etwas vorzuweisen. So wurde er als erster Mormone von einer großen Partei aufs Schild gehoben. Doch statt darüber zu sprechen, schweigt sich Romney über seinen Glauben weitgehend aus. Rühmen könnte er sich auch, dass er als Gouverneur in Massachusetts die erste gesetzliche Krankenversicherung der USA einführte. Und zwar so erfolgreich, dass Obama sie als Vorlage für sein nationales Modell nutzt.

Bis zum Beginn der heißen Wahlkampf-Phase Anfang September werden Obamas Strategen nun alles daran setzen, Romneys Versteckspiel zu beenden. Das Drehbuch sieht vor, den Herausforderer an seiner stärksten Stelle anzugreifen: der langjährigen Erfahrung an der Spitze des Risikokapital-Unternehmens Bain Capital. Eine erste Welle von Werbespots, die Romney als skrupellosen Finanzhai à la "Gordon Gecko" darstellen, liefert einen Vorgeschmack auf das, was folgen wird. Hinzukommen werden Angriffe auf die wechselnden politischen Positionen des Kandidaten, dem aus Sicht der Obama-Strategen der Mut fehlt, sich gegen die extremen Kräfte in seiner Partei aufzulehnen. Damit will man die entscheidenden Wechselwähler erreichen, die wenig Lust auf Ideologie haben.

Romneys Problem, in die politische Mitte zurückzukehren, wurde ausgerechnet am Tag seines hart erkämpften Sieges augenfällig: Der frischgebackene Kandidat feierte seinen Triumph in Las Vegas bei einer Spendengala von Milliardär Donald Trump. Der hatte nichts Besseres zu tun, als im Fernsehen die unsinnige Debatte über Obamas Staatsbürgerschaft wiederzubeleben - eine gründlich widerlegte Verschwörungstheorie, hinter der blanker Rassismus steckt. Und so musste der strahlende Vorwahl-Sieger unversehens in die Defensive wechseln und erklären, weshalb er die Unterstützung von Polit-Clowns wie Trump sucht. Um sein Ziel zu erreichen, brauche er halt "mindestens 50,1 Prozent", versuchte Romney zu beschwichtigen. Da sei er froh über die "Unterstützung vieler guter Leute".