Der Glaube bleibt bestehen

Es ist Unerhörtes passiert damals in Jerusalem vor fast 2000 Jahren. Ein Mann wird gekreuzigt, ersteht von den Toten auf und tritt wieder unter die Menschen mitsamt seinen Wunden. Durch diese frohe Botschaft entstanden das Christentum und mit ihm große Werke der Barmherzigkeit. Aber auch blutige Irrtümer

Es ist Unerhörtes passiert damals in Jerusalem vor fast 2000 Jahren. Ein Mann wird gekreuzigt, ersteht von den Toten auf und tritt wieder unter die Menschen mitsamt seinen Wunden. Durch diese frohe Botschaft entstanden das Christentum und mit ihm große Werke der Barmherzigkeit. Aber auch blutige Irrtümer. Wegen der wechselhaften Geschichte der Religionen fordern nun Bestseller wie "Der Gotteswahn" dazu auf, Religion und Gott als fatalen Irrtum zu erkennen. Dennoch werden in diesen Tagen wieder Millionen Menschen die Kirchen besuchen. Glaube wird es immer geben, auch wenn es Gott gar nicht geben sollte.Ganz gleich, ob Gott existiert: Für Millionen Menschen in Deutschland und Milliarden auf der Welt ist der Glaube an ein höheres Wesen oder die Suche danach ein fester Bestandteil des Lebens. Im Übrigen profitieren davon alle Gesellschaften, denn ohne das Bewusstsein, einmal im Jenseits Rechenschaft zu schulden, gäbe es keinen Grund, warum nicht der Mensch seinem Mitmenschen ein Raubtier sein sollte. Statt mit Gottes Existenz zu hadern, muss man - gerade im interreligiösen Dialog - über das "Wie" seiner Verehrung sprechen. Schließlich ist es für die ganze Menschheit gefährlich, wenn Gott - egal wo - zum Gebrauchsgegenstand der Politik wird oder vermeintlich alle Formen von Gewalt rechtfertigt. Vielleicht machte deshalb der Evangelist Johannes vorausschauend den christlichen Gott nicht nur zum abstrakten überirdischen Wesen, sondern zur letzten Instanz der Vernunft, zum "logos". Die deutsche Übersetzung "Im Anfang war das Wort (...) und das Wort war Gott" gibt diesen Gedanken nur unzureichend wieder. Auch wenn die Auferstehungsgeschichte dieser Ostertage Glauben und Vorstellungsvermögen arg herausfordert, müssen letztlich auch Religions-Kritiker mit dem Gegenstand ihrer Kritik Frieden machen - denn der Glaube wird nicht verschwinden. "Auch derjenige, dem es nicht gelingt, den Weg der Annahme Gottes zu finden, sollte dennoch versuchen, so zu leben, als ob es Gott gäbe", meinte der heutige Papst wenige Tage vor seiner Wahl. Letztlich halten es tief drinnen wohl auch zweifelnde Menschen so. Schließlich ist es auch nicht tröstlicher, sich selbst nur als Zufallsprodukt in der Unendlichkeit zu betrachten. Und selbst die Häftlinge in Auschwitz haben gebetet, am Ort der vermeintlich maximalen Entfernung von einem im Diesseits wirkenden Gott. Gott wird wohl für alle Zeit bei den Menschen sein - auch wenn es ihn gar nicht geben sollte. An Ostern hat man Zeit, über all diese Fragen nachzudenken.