Der Chef als Schreckgespenst

Für die CSU sitzen an Angela Merkels Kabinettstisch drei Minister. Christian Schmidt , zuständig für Ernährung und Landwirtschaft, will nach der Bundestagswahl im Amt bleiben. Ebenso Gerd Müller , Minister für Entwicklung. Beide haben das schon deutlich gemacht. Nur Alexander Dobrindt , verantwortlich für Verkehr, lässt seine Ambitionen zurzeit eher im Dunkeln. Er weiß, warum: Es kann nur einen geben, der bleibt. Wenn überhaupt.

Alle drei haben dasselbe Problem. Es heißt Horst Seehofer . Seit der CSU-Chef verkündet hat, künftig nur noch mit der "besten Formation" in Berlin auftreten zu wollen und möglichst mit dem Parteichef am Kabinettstisch, schwinden die Hoffnungen der Minister. Zumal Seehofer nach der Wahl offensichtlich gern das Innenressort mit einem Christsozialen besetzen würde. Und falls nur eine Koalition aus CDU , CSU und zwei anderen Parteien möglich wäre, könnten die Bayern wohl nur auf zwei Ressorts hoffen. Aus der Traum für Müller oder Schmidt oder Dobrindt.

Der Konkurrenzkampf der drei ist jedenfalls eröffnet, Schmidt läutete das Rennen ein. Er startete mit einem Interview zum Verbot von veganer Wurst, stellte dann sein "Grünbuch" zur Zukunft der Ernährung und eine große Studie über die Essgewohnheiten der Deutschen vor. Alles geschickt platziert in die nachrichtenarme Zeit zum Jahreswechsel. Diese Woche wird der Franke dann auf der ganz großen Bühne stehen: Am Donnerstag beginnt in Berlin die Grüne Woche, die weltweit größte Agrarmesse. Und der 59-Jährige hat sich vorgenommen, dort endlich eine Lösung gegen das Kükenschreddern und seine Pläne für ein Tierwohl-Label vorzustellen. Damit sollen die Verbraucher auf Lebensmitteln erkennen, unter welchen Bedingungen die Tiere gehalten wurden. Laut Umfrage wünschen sich rund 80 Prozent der Deutschen solche Infos. Mit Volkes Stimme im Rücken wird sich Schmidt in Szene setzen.

Nicht weniger umtriebig war zuletzt Entwicklungshilfeminister Gerd Müller . Zum Jahresanfang absolvierte er einen kleinen Interview-Marathon - und dann gelang ihm noch ein Coup, der ihn an die erste Stelle der Fernsehnachrichten brachte: Müller forderte bei der CSU-Klausur, die nach Deutschland gekommenen Flüchtlinge rückwirkend nochmal zu überprüfen. Der 61-Jährige löste damit sogar eine Debatte aus, was ihm ansonsten qua Amt selten gelingt. Wenig später widersprach er dann auch noch der Idee, den Maghreb-Staaten das Geld zu kürzen, wenn sie abgelehnte Asylbewerber nicht zurücknehmen. Müller - fast schon ein echter Querulant. Morgen legt der frühere Agrar-Fachmann nun noch seinen mehrfach angekündigten "Marshall-Plan für Afrika" vor. Wieder ein schlagzeilenträchtiger Aufschlag.

Der dritte im Bunde, Alexander Dobrindt , macht sich freilich rar. Spötter sagen, weil er genug mit der vermaledeiten Maut und dem Abgas-Skandal um die Ohren hat. Von Dobrindt weiß man nicht so genau, ob er tatsächlich noch einmal Verkehrsminister werden will. Es heißt, er schiele nach der Bundestagswahl eher auf den Landesgruppenvorsitz, eines der mächtigsten CSU-Ämter in Berlin , weil man dort stark tagespolitisch im Einsatz ist. Was dem forschen und streitbaren Dobrindt deutlich mehr liegt. Das erklärt, warum sich der 46-Jährige so zurückhält: Er hat erstens keine Gewinner-Themen und zweitens womöglich andere Pläne.