Der blasse Herr Ban wird manchmal richtig mutig

New York. Die Würfel waren längst gefallen. Wie es sich für den Spitzendiplomaten der Welt gehört, hatte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon die entscheidenden Stimmen bereits in der Tasche, als er Anfang Juni seine Ambitionen für eine zweite Amtszeit bekannt gab. Gestern Abend war seine Wiederwahl durch die 192 Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen eine reine Formalität

New York. Die Würfel waren längst gefallen. Wie es sich für den Spitzendiplomaten der Welt gehört, hatte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon die entscheidenden Stimmen bereits in der Tasche, als er Anfang Juni seine Ambitionen für eine zweite Amtszeit bekannt gab. Gestern Abend war seine Wiederwahl durch die 192 Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen eine reine Formalität. Kein Gegenkandidat machte ihm den Posten streitig. Nach dem UN-Prozedere bestätigt die Vollversammlung in solchen Fällen durch höflichen Applaus. Damit behält der 67-Jährige die Zügel der mächtigen Organisation bis Ende 2016 in der Hand.Der blasse Südkoreaner hatte es nicht leicht, in die Fußstapfen von Kofi Annan zu treten. Sein charismatischer Vorgänger hatte die Millenniumsziele gesteckt, den Friedensnobelpreis gewonnen und etliche andere Siege für den mächtigen Apparat errungen. Kurz vor seinem Amtsantritt am 1. Januar 2007 versuchte es Ban also zunächst mit Humor: "Ban Ki Moon is coming to town", sang er UN-Korrespondenten in Abwandlung des Weihnachtsliedes "Santa Claus is coming to town" vor. Seitdem verging ihm öfter mal das Lachen. Unter anderem, als 2009 die Kritik einer hohen norwegischen Diplomatin durchsickerte. Ban fehle es an jeglicher Ausstrahlung, seinen Mitarbeitern mache er das Leben durch "ständige Wutausbrüche" schwer, schrieb Oslos stellvertretende UN-Botschafterin Mona Juul in einer vertraulichen Depesche an ihre Regierung.

Doch solche Schelte ist selten. Im allgemeinen gilt, was dem früheren Außenminister Südkoreas als Ruf vorauseilte, bevor er die oberste Etage des UN-Palastes bezog: Ban hat keine Feinde. So richtig begeistert ist aber auch niemand von ihm. Wegen seiner höflichen, bemüht verbindlichen Art trug er daheim den Spitznamen "Glatter Aal". In New York bemühte er sich mit gemischtem Erfolg, dem Eindruck des konturlosen Softies zu begegnen.

Ohne Zweifel ist Ban in den vergangenen viereinhalb Jahren in sein Amt hineingewachsen. Er warb erfolgreich um mehr Aufmerksamkeit für den Klimawandel und machte klar, dass dessen Folgen die Ärmsten der Welt am schlimmsten treffen werden. Er setzte sich unermüdlich für die Opfer humanitärer Krisen ein, sein besonderes Augenmerk gilt dem Los von Frauen und Kindern in den am wenigsten entwickelten Ländern. Der Südkoreaner, selbst in einfachste Verhältnisse hineingeboren, kennt sich mit Armut aus. Als Junge, so heißt es, sei er sogar im Winter barfuß zur Schule gelaufen.

Besonders hoch angerechnet wird Ban in Diplomatenkreisen, dass er in das Chaos der Elfenbeinküste eingriff und dem gewählten Präsidenten ins Amt verhalf. Auch Libyens und Syriens Machtinhabern bot er die Stirn, während sich der UN-Sicherheitsrat nach wochenlanger Debatte noch immer nicht zur Kritik an der Gewalt von Präsident Baschar al-Assad durchringen kann. Auch die bevorstehende Unabhängigkeit des Südsudan nach Jahrzehnten des Bürgerkriegs mit dem Norden ist maßgeblich Bans Verdienst.

US-Präsident Barack Obama sprach sich persönlich für dessen Wiederwahl aus. Er würdigte "die wichtigen Reformen", die der Vater dreier erwachsener Töchter beim Koloss UN durchsetzte: mehr Frauen in Führungspositionen beispielsweise und weniger Bürokratie. Vor allem aber Kürzungen des Etats, im Klartext: geringere Finanzforderungen an die Mitgliedsländer. In erster Linie an die USA.

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