Der Albtraum-Sommer der Hillary Clinton

Der Albtraum-Sommer der Hillary Clinton

Am Montag hielt die demokratische Präsidentschafts-Bewerberin Hillary Clinton in New Hampshire eine lange Rede, in der sie ihre Ideen für eine Verbesserung der Schul- und Universitätsausbildung in den USA präzisierte.

Die großen Fernsehsender erwähnten dies nur in wenigen Sekunden oder gar nicht, auch die Zeitungen interessierten sich kaum. Stattdessen dominierten andere Schwerpunkte: Die verbalen Ausfälle des Donald Trump . Die mögliche Kandidatur von Vizepräsident Joe Biden . Die Tatsache, dass Clintons bisher weitgehend unbekannter Konkurrent Bernie Sanders nun vor über 20 000 Menschen spricht und Enthusiasmus wie einst Barack Obama verbreitet, während die frühere First Lady große Probleme hat, Veranstaltungsstätten mit Menschen und mitreißenden Reden zu füllen.

Und schließlich: Die pikante Frage, ob Clinton gelogen hat, als sie versicherte: Über den privaten E-Mail-Server, den sie entgegen der Regierungsanweisungen im Keller ihrer Villa zur Abwicklung von Dienst-Korrespondenz als Außenministerin nutzte, seien nie geheime Fakten gelaufen.

Es ist kein schöner Sommer für die 67-jährige Großmutter, die im Vorjahr noch als unangefochtene Spitzenkandidatin der Demokraten für die Obama-Nachfolge galt, deren Wahl nur eine Formsache schien. Doch die Negativmeldungen spitzen sich zu. Gestern wurde in einer Umfrage deutlich, dass der einstige Außenseiter Sanders - ein früherer Senator aus Vermont - in New Hampshire bereits mit 44 zu 37 Prozent in der Wählergunst führt. Auch die einflussreiche Gewerkschaft der Krankenschwestern sprach sich für Sanders aus.

Am Vorabend war bekannt geworden, dass Clintons Anwälte nun - dem Druck der Justiz nachgebend - endlich den E-Mail-Server und mehrere USB-Sticks den Behörden zur Verfügung stellen wollen, um eine mögliche Gefährdung von Staatsgeheimnissen zu prüfen, was der Generalinspekteur der Geheimdienste angesichts russischer und chinesischer Hack-Attacken vermutet. Der private Server war - entgegen einer direkten Anweisung Obamas - von Hillary Clinton offensichtlich installiert worden, um eine ganz enge Kontrolle darüber zu haben, welche E-Mails dem US-Bundesarchiv anvertraut werden und welche nicht. Vor allem die Republikaner haben sich auf dieses möglicherweise strafbare Verhalten eingeschossen - und wittern zudem, dass Clinton Entscheidungen als US-Chefdiplomatin von Spenden für ihre Familienstiftung abhängig gemacht hat.

Selbst wenn Clinton dies mit dem üblichen Lächeln dementiert: Gut liest es sich nicht in den Medien. So hält derzeit die Mehrheit der Amerikaner die Bewerberin für nicht aufrichtig und vertrauenswürdig genug, um als erste Präsidentin ins Weiße Haus einzuziehen. Zwar dürften die Clintons dafür gesorgt haben, dass sich nach dem langen Tauziehen auf dem E-Mail-Server keine wirklich kompromittierende Korrespondenz mehr befindet. Schließlich hatte Hillary ja auch schon ausgesagt, mindestens 30 000 Mails gelöscht zu haben, die sie - und nur sie - als "privat" eingestuft hatte. Doch allein die Tatsache, dass sie das so gut behütete Stück letztlich dem Drängen der Behörden folgend aushändigen musste, ist nicht gerade ein Aushängeschild für Seriosität - und bietet nicht nur den Republikanern, sondern auch Sanders jede Menge Munition.