CDU-Chef von Thüringen: Der „neue Mohring“ will in die Staatskanzlei von Erfurt

Thüringer CDU-Chef : Der „neue Mohring“ will in die Erfurter Staatskanzlei

„Zwei Kämpfe muss ich dieses Jahr bestehen“, sagt Mike Mohring. „Einen, den gegen den Krebs, habe ich gewonnen.“ Jetzt geht es in den zweiten Kampf – Wahlkampf. In Thüringen wird in diesem Jahr ein neuer Landtag gewählt.

Und Mohring, Partei- und Fraktionschef der Thüringer CDU, hat etwa acht Wochen nach dem Ende seiner Krebsbehandlung einen dritten Job: Seine Partei wählte ihn am Samstag in Erfurt mit 94,2 Prozent zum Spitzenkandidaten für die Landtagswahl am 27. Oktober. Die Wahl erfolgte im zweiten Anlauf. Sie muss wegen eines Fehlers – ein Gast hat seine Stimme unberechtigt abgegeben – wiederholt werden.

Der 47-jährige Mohring soll die CDU, die von 1990 bis 2014 in Thüringen die Ministerpräsidenten stellte, zurück in die Regierung bringen. Umfragen sehen sie derzeit bei 28 Prozent. Vor fünf Jahren hatte sie bei der Landtagswahl als stärkste Partei 33,5 Prozent erhalten.

Mit streichholzkurzen Haaren, aber ohne die Wollmütze, die er wochenlang in der Öffentlichkeit trug, steht Mohring vor den Delegierten in Erfurt. Als sein Wahlergebnis kommt, steigt er auf einen Stuhl, sichtlich gerührt winkt er mit einem Blumenstrauß in den Saal. Er wirkt wie einer, der zurück in seinem Element ist. Dabei war er nie ganz weg, trotz Chemotherapie.

Seine Entscheidung, die Krebserkrankung Mitte Januar mit einem Handyvideo öffentlich zu machen, hält Mohring auch im Rückblick für richtig. „Ich war ja auch optisch gezeichnet“, sagt er. Und viele Menschen hätten ihm geschrieben, er gebe ihnen Mut, weil er sich mit der Krankheit nicht verstecke. „Das war der stärkste Zuspruch überhaupt.“ Er habe auch witzige Gesten erlebt: Auf einem regionalen Parteitag im Kreis Schmalkalden-Meiningen hätten sich alle Delegierten aus Solidarität Wollmützen auf den Kopf gesetzt.

Mohring, der aus Apolda stammt, hat sein Leben lang für seine politische Karriere gearbeitet: Seit 1999 ist er im Landtag, seit 2008 Chef der größten Landtagsfraktion, seit 2014 CDU-Landesvorsitzender. Seitdem macht er deutlich, dass er sich als künftigen Ministerpräsidenten sieht. Hat ihn die Krankheit verändert? „Ich sehe die Dinge reflektierter, gelassener. Ich versuche, mich stärker in andere hineinzuversetzen. Andere könnten auch recht haben“, sagt er.

Die politische Konkurrenz vor allem von Rot-Rot-Grün schaut interessiert auf den „neuen Mohring“. Bisher galt er als einer, der andere Parteien hart, nicht selten ruppig angeht. Auch deshalb hatte die SPD 2014 die Koalitionsangebote der CDU abgelehnt. Gerätselt wird im politischen Thüringen, wie die Wähler auf Mohring reagieren – bekommt er einen Bonus, weil er sich nach schwerer Krankheit zurückgekämpft hat, oder glauben sie, das Geschäft sei zu hart für ihn?

Mohring fühlt sich fit und zeigt sich mild: Während seiner Krankheit sei der Umgang mit anderen Politikern fair und menschlich gewesen. „Meine Zuversicht ist, das wird auch den Umgang im Wahlkampf beeinflussen.“

Dennoch, bei aller neuen Milde hat Mohring ein klares Ziel vor Augen: die Ablösung von Rot-Rot-Grün und die Bildung einer bürgerlichen Regierung. Dafür müsse die Grundlage durch den Gewinn der Direktmandate in allen 44 Wahlkreisen gelegt werden. „Es geht bei der Wahl nicht um mich. Es geht nicht darum, wie es Mike Mohring geht“, sagt er.

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