Börsencrach vor 90 Jahren: Schwarzer Freitag ist Trump keine Lehre

Börsencrash vor 90 Jahren : Der Schwarze Freitag ist Trump keine Lehre

Der Börsen-Crash von 1929 beendete vor genau 90 Jahren den Wirtschaftsboom der Goldenen Zwanziger im vergangenen Jahrhundert abrupt. Der auf das Finanzbeben folgende Konjunktureinbruch ging als „Great Depression“ in die Geschichtsbücher ein und gilt bis heute als schwerste und längste Weltwirtschaftskrise der Neuzeit.

Vor allem der Schwarze Donnerstag – in Europa aufgrund des Zeitunterschieds auch Schwarzer Freitag (25. Oktober) genannt – bleibt als eines der dunkelsten Kapitel der Finanzhistorie in Erinnerung. 90 Jahre später sind die Bewertungen an der Börse erneut bedenklich hoch. Und erneut halten Handelskonflikte und Konjunktursorgen Anleger in Atem – besteht das Risiko, dass sich das  Desaster  wiederholt?

„Die Volkswirte sagten, wir hätten in diesem Land ein neues Niveau an Wohlstand erreicht, hinter das wir nie mehr zurückfallen würden – und dann kam der Absturz“, erklärt US-Autor John Steele Gordon in der Dokumentation „The Crash of 1929“. Nachdem der Dow Jones im September ein Allzeithoch markiert hatte, geriet der US-Leitindex ins Schwächeln. Dann setzte die Panik ein. Es war der Beginn eines Absturzes, der den Dow bis Mitte 1932 knapp 90 Prozent unter sein vorheriges Rekordhoch drücken sollte. Weite Teile des Vermögens von Unternehmen und Haushalten wurden vernichtet. Zwischen 1929 und 1933 stieg die Arbeitslosenquote von 3,2 auf 24,9 Prozent. Der Dow holte seine enormen Kursverluste erst 1954 wieder auf. Wie war so ein extremer Niedergang überhaupt möglich? Als ein wichtiger Grund gilt, dass es damals noch stärker als heute üblich war, auf Pump an der Börse zu zocken. Die Folge war eine gewaltige Spekulationsblase. Die US-Notenbank Fed war noch  unerfahren – und gab eine unglückliche Figur ab. In den Boomjahren der 1920er ließen die Notenbanker die Geldpolitik zu locker. Als die Blase platzte, ließ sie zahlreiche in Geldnot geratene Banken sterben, anstatt das Finanzsystem mit Liquidität zu fluten.

Als weiterer Brandbeschleuniger gelten politische Fehler. Auch in den USA begann die Konjunktur, sich bereits vor dem Aktienkurssturz abzukühlen. Die Entscheidung der US-Regierung, die Zollschranken Mitte 1930 drastisch zu erhöhen, setzte der Wirtschaft weiter zu.  US-Präsident Donald Trump scheint dies wenig zu beeindrucken, er twitterte im März 2018: „Handelskriege sind gut und einfach zu gewinnen.“ Seitdem bestätigte sich jedoch eher das Gegenteil, wird der Clinch der beiden weltgrößten Wirtschaftsmächte inzwischen als bedrohlichstes globales Konjunkturrisiko gehandelt.

Könnte es erneut zu einem Extremszenario wie 1929 kommen? Parallelen gibt es durchaus. An den Börsen haben die Kurse nach Jahren eines von billigem Notenbankgeld befeuerten Anstiegs wieder ein Niveau erreicht, das mitunter entkoppelt von der realen Wirtschaftslage wirkt. In den USA wurde in diesem Jahr eine ganze Reihe verlustreicher Start-ups zu Milliardenbewertungen an die Börse gebracht. Am US-Anleihenmarkt warfen Staatspapiere mit kurzen Laufzeiten zwischenzeitlich mehr Rendite ab als mit langer, was Finanzprofis als wichtigen Indikator für eine Rezession betrachten.

Am US-Interbankenmarkt tauchten zuletzt ähnliche Spannungen auf. Dennoch gilt die Gefahr eines neuerlichen Finanzmarkt-Kollapses unter Experten als relativ gering. Zwar halten viele der Analysten eine Kurskorrektur und eine weitere Abschwächung der Weltwirtschaft für gut möglich. Doch die meisten Fachleute vertrauen darauf, dass die großen Notenbanken inzwischen krisenerprobt und entschlossen genug sind, um bei Börsenpanik weitere Eskalationen zu verhindern.

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