Berliner Notizen: Waigels Braunen, Lauterbachs Sinn, Merkels Farben

Berliner Notizen : Buschige Brauen und sinnfreie Preise

Sauer war Karl Lauterbach über den Auftritt von Digitalministerin Dorothee Bär und Verkehrsminister Andreas Scheuer bei der Computerspielpreis-Verleihung in Berlin. Beide amüsierten sich köstlich „bei sinnfreier Games Auszeichnung“, ätzte der SPD-Mann bei Twitter.

Woraufhin Lars Klingbeil sich einschaltete. „Hey Karl, dein Generalsekretär war auch da. Hat Spaß gemacht, alles sehr sinnvoll. Nächstes Jahr kommst du mit, ok?“ Sinnfrei war somit nur Lauterbachs Tweet.

Viele werden ihn noch kennen: Theo Waigel, Bundesfinanzminister unter Helmut Kohl und einer der Väter des Euro. Waigel, bald 80 Jahre alt, stellte jetzt passend zum runden Geburtstag seine Memoiren vor. Dabei ging es nicht nur um seine Vermittlerrolle zwischen Kanzler Kohl und CSU-Chef Franz Josef Strauß, die er wie eine schwere Buße empfand. Zur Sprache kam auch eines der markantesten Merkmale des CSU-Politikers: die buschigen Augenbrauen. Sie zu stutzen, sei nie in Frage gekommen, betonte Waigel. „Etliche gut gemeinte Versuche, den Wildwuchs zu zähmen, habe ich abwehren müssen.“ Das sieht man.

Was haben sie gelacht, die beiden Damen. Beim Brexit-Gipfel zeigte Kanzlerin Angela Merkel Großbritanniens Premierministerin Theresa May ein Foto auf ihrem Tablet-Computer. Es war ein Screenshot des Senders Phoenix, auf dem beide Regierungschefinnen zu sehen sind, wie sie im fast gleichen Outfit und zur selben Zeit Fragen des Parlaments beantworten. Als sie sich so amüsierten, waren sie übrigens immer noch so angezogen – beide in blau.

Bei der Befragung Angela Merkels im Parlament am Mittwoch kam zumindest einmal Fröhlichkeit auf. Dabei wollte FDP-Chef Christian Lindner vermutlich nur höflich sein. Er leitete seine Frage also so ein: „Guten Tag, Frau Bundeskanzlerin!“ Darauf Merkel trocken: „Guten Tag!“ Das Protokoll verzeichnet Heiterkeit bei der Union. Lindners Reaktion darauf fiel so aus: „Ich dachte, ihr seid eine bürgerliche Partei.“ Früher vielleicht . . .