Berliner Notizen: Kleine Augen und steile Treppen

Berliner Notizen : Kleine Augen und steile Treppen

Klara Geywitz hat jetzt rausgekriegt, wie Angela Merkel sich immer wieder durchsetzt: Mit gezielter Zermürbungstaktik.

„Bei Angela Merkel sind Verschleppung von Entscheidungen und Schlafentzug ein Mittel der Politik“, meinte die Potsdamerin, die für den SPD-Vorsitz kandidiert. Sie erinnerte an Koalitionsausschüsse bis fünf Uhr morgens und anschließende Kompromisse „mit kleinen Augen“. Damit müsse Schluss sein.

Apropos SPD: Beim „Spiegel“-Video-Duell sollten die Kandidatenpaare zwischen zwei ziemlich absurden Alternativen jeweils „das kleinere Übel“ wählen. Außer Saskia Esken machten alle mit. SUV‘s oder Inlandsflüge verbieten? Geywitz entschied sich gegen die Monsterautos. Kevin Kühnert als Kanzlerkandidat oder Olaf Scholz? „Unter diesen Umständen Kühnert“, meinte Norbert Walter-Borjans. Lieber eine Fusion mit den Linken oder eine SPD unter fünf Prozent? Scholz wählte das erste, fügte aber hinzu, das sei ja wohl nur ein „satirischer Spaß“.

Wenn Wolfgang Kubicki die Bundestagssitzungen leitet, ist es immer lustig. Am Donnerstagabend unterbrach er in einer Debatte zunächst Mahmut Özdemir von der SPD, weil der gleich inhaltlich loslegen wollte. „Herr Kollege, würden Sie bitte beginnen mit Herr Präsident und so“. Gelächter im Saal. Dann unterband er weitere Wortmeldungen zur Rede des CDU-Abgeordnete Axel Müller, der mitleiderheischend geschildert hatte, wie hart er in seinem Wahlkreis Ravensburg für die Bürger arbeite. Das sei „eine bemerkenswerte Rede“ gewesen, meinte Kubicki süffisant. „Aber der Werbeblock ist jetzt beendet“.

Peter Altmaier haut so schnell nichts um – außer eine übersehene Stufe. Zehn Tage nach seinem Sturz vom Podium beim Dortmunder Digitalgipfel stand der CDU-Wirtschaftsminister am Dienstag in Berlin beim Arbeitgebertag erstmals wieder auf einer Bühne. Es sei nach so einem Unglück schon eine Herausforderung, solche Treppen hochzusteigen, bekannte der CDU-Politiker. „Aber mir ist zugesagt worden, dass die Ambulanzen bereit stehen, wenn was passiert.“