Bedingt reformbereit

Umbrüche und Einschnitte haben bei der Bundeswehr eine lange Tradition. Allein in den letzten zwei Jahrzehnten sah sich die Truppe mit einem halben Dutzend Reformen konfrontiert. Stets waren damit verschlankte Strukturen gemeint, also Personalabbau und Standortschließungen. So wurde die deutsche Armee zur militärpolitischen Dauerbaustelle.An den Betroffenen geht das nicht spurlos vorüber

Umbrüche und Einschnitte haben bei der Bundeswehr eine lange Tradition. Allein in den letzten zwei Jahrzehnten sah sich die Truppe mit einem halben Dutzend Reformen konfrontiert. Stets waren damit verschlankte Strukturen gemeint, also Personalabbau und Standortschließungen. So wurde die deutsche Armee zur militärpolitischen Dauerbaustelle.An den Betroffenen geht das nicht spurlos vorüber. Schlimmer noch. Glaubt man einer jetzt vom Bundeswehrverband veröffentlichten Umfrage, ist die Stimmung zu Lande, zu Wasser und in der Luft wohl noch nie so schlecht gewesen wie heute. Fast zwei Drittel würden keinem empfehlen, in die Bundeswehr einzutreten. Und weit mehr als die Hälfte hat schon über ein frühzeitiges Verlassen der Armee nachgedacht. Dabei handelt es sich wohlgemerkt nicht um die Ansicht einfacher Soldaten. Befragt wurden die Vorgesetzten. Also jene, die der aktuellen Bundeswehrreform zum Durchbruch verhelfen sollen. Wie dieses Vorhaben funktionieren kann, bleibt angesichts dieser Motivationslage schleierhaft.

Die Umfrageergebnisse sind nicht nur für den amtierenden Verteidigungsminister niederschmetternd. Thomas de Maizière zählte bislang zu den wenigen Lichtblicken im schwarz-gelben Regierungskabinett. Die Daten lassen auch an der Zukunft der Bundeswehr selbst zweifeln. Denn genau darin besteht die Crux der Pläne: Aus der Wehrpflichtarmee soll eine Freiwilligenarmee werden. Das bedeutet: Die Truppe muss sich nun genauso um Nachwuchs bemühen wie ein ganz normales Unternehmen. Wenn dem so ist, dann geht es nicht nur um ein Maximum an Sicherheit bei Auslandseinsätzen oder die Faszination modernster Waffentechnik. Potenzielle Rekruten treiben auch so profane Dinge um wie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf oder die Aufstiegschancen bei Übernahme höherer Verantwortung. Kurzum, die Bundeswehr soll mit der Wirtschaft konkurrieren können, zumal in Zeiten, da Nachwuchskräfte knapp werden. Dem aber steht eine triste Wirklichkeit entgegen. Seit rund zweieinhalb Jahren ist die Bundeswehr wieder auf Erneuerungskurs, und trotzdem herrscht für viele noch immer keine Planungssicherheit. Werbung für den Nachwuchs sieht anders aus.

Sicher: De Mazière hat ein schweres Erbe übernommen. Als sein Vorgänger Karl Theodor zu Guttenberg das Handtuch warf, prahlte der vom bestellten Haus, das da zu übergeben war. Doch viel mehr als ein paar propagandistische Pflöcke standen nicht in der Landschaft. Fortan suchte de Maizière, die Reform so geräuschlos wie möglich über die Bühne zu bringen. Das war vielleicht ein Fehler. Der Minister muss Krach schlagen. Sonst geht die Neuausrichtung der Truppe womöglich gewaltig schief.