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Bauer sucht Geld für die Umstellung auf „Bio“

Bauer sucht Geld für die Umstellung auf „Bio“

Der Hunger auf Bio-Lebensmittel wächst hier zu Lande stetig. Allein im Branchen-Großhandel sind die Umsätze voriges Jahr um 11,4 Prozent geklettert - und lagen damit erstmals über drei Milliarden Euro, so der Bundesverband Naturkost Naturwaren.

Der deutsche Bio-Fachhandel wuchs im Schnitt der vergangenen Dekade um rund ein Zehntel, er ist Haupttreiber der oft zitierten Bio-Wende. Augenfällig wird die ungebremste Dynamik bei der gestern gestarteten Welt-Leitmesse der Branche, der "Biofach" in Nürnberg .

Der hiesige Markt leidet allerdings unter einer Besonderheit: Seit Jahren wird sein Wachstum vom knappen Angebot speziell aus deutscher Öko-Produktion gebremst, das die immer neuen Nachfrage-Schübe nicht abfedern kann. Was fehlt, wird importiert. Und so profitieren vom heimischen Bio-Boom zunehmend andere. Speziell bei Lebensmitteln, die über lange Strecken transportiert werden, pervertiert das zudem den Umweltgedanken.

2015 sollte endlich die Trendwende bringen, und in einem Punkt ist das auch gelungen: Erstmals seit Jahren ist die Bio-Anbaufläche in Deutschland wieder spürbar größer geworden, wie der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft konstatiert. Allein in Bayern haben weitere 600 konventionelle Landwirte begonnen, auf Öko-Landbau umzustellen - ein Plus von knapp zehn Prozent. Auch Baden-Württemberg, Hessen und Nordrhein-Westfalen gelten als Öko-Vorreiter. Geschlossen hat sich die Schere zwischen heimischer Produktion und Bedarf aber nicht, weil die Nachfrage im Bundesschnitt eben noch stärker wächst.

Dieses Jahr droht eine weitere Verschärfung der Lage, warnen Experten. Denn wenn konventionelle Bauern auf Bio umsatteln wollen, müssen sie eine mehrjährige Durststrecke in Kauf nehmen. Finanzielle Hilfe zur Überbrückung bekommen sie von der EU, den Bundesländern oder von beiden. Im vorigen Jahr wurden diese Mittel aber so stark nachgefragt, dass sie nun bundesweit auszugehen drohen. Im Saarland war es zum Jahreswechsel bereits so weit, weil die Zahl der Umstellungswilligen nach Angaben des Umweltministeriums auch hier unerwartet in die Höhe schoss.

Dabei wäre Abhilfe einfach, und sie müsste die deutschen Steuerzahler nicht einmal etwas kosten. Dazu muss man wissen, dass die EU-Agrarförderung aus zwei Töpfen besteht, einem großen für alle Landwirte und einem kleineren für Öko-Landbau. Die EU erlaubt den Mitgliedstaaten aber, bis zu 15 Prozent der Mittel aus Topf eins in Topf zwei umzufüllen. Deutschland hat das bislang zu weniger als fünf Prozent genutzt. Mit einem Verwaltungsakt könnten also neue Umstell-Hilfen in Höhe von einer halben Milliarde Euro erzeugt werden, erklärt Marion Ruppaner, Agrar-Referentin des Umweltverbands BUND. Das sei ungefähr doppelt so viel, wie derzeit bundesweit pro Jahr für die Biobauern fließt.

Der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft erinnert die Bundesregierung an ihr Ziel, den Anteil des Öko-Landbaus auf ein Fünftel auszuweiten. Derzeit ist es etwa ein Drittel davon. Auf "Bio" umgestellte Bauern verdienen nach Angaben des Verbands übrigens oft mehr als konventionell wirtschaftende Kollegen. Auch deshalb fehlt es nicht an der Nachfrage für eine Ausweitung der Anbaufläche. Es geht nur noch darum, die nationalen Spielräume für die Übergangshilfen konsequent zu nutzen.