Banker-Boni sind zweitrangig

Europa macht sich auf, die (Finanz-)Welt neu zu erfinden. Klares Ziel der 27 Staats- und Regierungschefs bei ihrem Mini-Gipfel: Jetzt werden die Banken an die Leine gelegt. Was die Glühbirne für den Klimaschutz, sollen gedeckelte Bonus-Zahlungen für Bankmanager werden - ein Symbol

Europa macht sich auf, die (Finanz-)Welt neu zu erfinden. Klares Ziel der 27 Staats- und Regierungschefs bei ihrem Mini-Gipfel: Jetzt werden die Banken an die Leine gelegt. Was die Glühbirne für den Klimaschutz, sollen gedeckelte Bonus-Zahlungen für Bankmanager werden - ein Symbol. Und zwar eines, das Kanzlerin Merkel überaus gelegen kommt, denn Deutschland wählt drei Tage nach der Weltfinanzkonferenz. Doch das Spiel mit Symbolen ist riskant. Kein EU-Staat wird ernsthaft daran denken, neben Mindest- nun auch Höchstlöhne staatlich regeln zu wollen. Den Gesetzgebern bleibt bestenfalls der kleine Freiraum, Rückzahlungen bei geschäftlichem Misserfolg zu regeln. Aber das ist weit von dem entfernt, was die EU-Chefs bisher propagieren. Das absehbare Scheitern könnte zum Sprengsatz werden: Die öffentliche Unterstützung für Boni-Kürzungen ist hoch, das Enttäuschungspotenzial ebenfalls. Dabei wäre es völlig falsch, Europas Kurs in eine reformierte Finanzmarkt-Zukunft von diesem Symbol abhängig zu machen. Andere Instrumente sind weitaus wichtiger, wenn auch weniger populär. Die lange vereinbarte, aber von Washington blockierte bessere Eigenkapital-Ausstattung der Banken gehört dazu. Ebenso die verschärften Regelungen für riskante Anlage-Fonds und Rating-Agenturen. Hier reagierte die EU-Kommission zwar zu langsam, aber doch schneller als alle anderen, die sich von den ersten Anzeichen nahender Erholung blenden lassen. Um das Problem des "Wiederaufbaus" aber drücken sich auch in Europa noch zu viele herum: Wie können Industrie- und Schwellenländer nach dem Auslaufen der Konjunkturprogramme wieder zur Normalität des Marktes zurückkehren, ohne sich gegenseitig durch Protektionismus verwundet zu haben? Bislang konnte die Brüsseler Kommission zwar die schlimmsten Alleingänge in der Wirtschaftspolitik verhindern. Doch die echten Herausforderungen kommen erst noch. Vor allem beim Klimaschutz-Gipfel in Dezember. Im Streit um Glühbirnen und CO2-Grenzwerte gehen nämlich die wirklich gefährlichen Ideen bisher unter. Dazu gehören neue Zölle für Produkte aus Regionen, die beim ehrgeizigen Ringen um den Erhalt der Atmosphäre nicht so engagiert mitmachen wie die Europäer. Es darf nicht wieder so weit kommen, dass jeder seine nationalen Mauern hochzieht. Dass Europa und auch Deutschland davor nicht gefeit sind, zeigt der Fall Opel: Berlin sind die eigenen Jobs wichtiger als die in Nachbarländern. Doch beim Weltfinanzgipfel muss das europäische Credo lauten: kein Protektionismus. Das Erreichen dieses Ziels ist wichtiger als die Frage, wie viel unsere Banker künftig verdienen dürfen.