1. Nachrichten
  2. Meinung
  3. Standpunkt

Die Straßburger Zeitung "Dernières Nouvelles d'Alsace" schaut neidvoll auf das starke deutsche Wirtschaftswachstum im zweiten Quartal: Gewiss steht in Deutschland bei weitem nicht alles zum Besten. Das gegenwärtige Wachstum hängt zum großen Teil von dem w

Die Straßburger Zeitung "Dernières Nouvelles d'Alsace" schaut neidvoll auf das starke deutsche Wirtschaftswachstum im zweiten Quartal: Gewiss steht in Deutschland bei weitem nicht alles zum Besten. Das gegenwärtige Wachstum hängt zum großen Teil von dem w

Die Straßburger Zeitung "Dernières Nouvelles d'Alsace" schaut neidvoll auf das starke deutsche Wirtschaftswachstum im zweiten Quartal: Gewiss steht in Deutschland bei weitem nicht alles zum Besten. Das gegenwärtige Wachstum hängt zum großen Teil von dem weltweiten Aufschwung ab, der noch sehr bescheiden ist

Die Straßburger Zeitung "Dernières Nouvelles d'Alsace" schaut neidvoll auf das starke deutsche Wirtschaftswachstum im zweiten Quartal: Gewiss steht in Deutschland bei weitem nicht alles zum Besten. Das gegenwärtige Wachstum hängt zum großen Teil von dem weltweiten Aufschwung ab, der noch sehr bescheiden ist. Dennoch sollte sich ganz Europa über diese Wachstumszahlen freuen und darauf hoffen, sich an die deutsche Lokomotive anhängen zu können. Doch bei den nächsten Gipfeltreffen der EU sind Eifersuchtsszenen zu erwarten, in Verbindung mit egoistischer Prahlerei, denn die "Großen" der EU spielen nicht mehr in der gleichen Liga. Warnend merkt das niederländische "NRC Handelsblad" an: Sowohl Deutschland als auch die Niederlande verdanken ihren Aufschwung vollständig der Wiederbelebung des Exports. (. . .) Die letzten Jahren haben gezeigt, dass ein weltwirtschaftliches Ungleichgewicht zu finanziellen Schwierigkeiten beiträgt, von der internationalen Kreditkrise bis zur europäischen Schuldenkrise. Die Welt darf nicht zu solchen ökonomischen Verhältnissen zurückkehren. Die wirtschaftliche Erholung ist verwundbar, wenn sie allein auf dem Export beruht. Investitionen und mehr Konsum gehören dazu. Die "Neue Zürcher Zeitung" wiegelt dagegen ab: Die stark exportabhängige deutsche Wirtschaft ist zuletzt zwar kräftig gewachsen, doch war sie im Krisenjahr 2009 auch weit stärker eingebrochen als jene in anderen EU-Ländern. Dass Deutschland jetzt aufholt, ist zu einem gewissen Grad natürlich. Die Lage am Arbeitsmarkt stellt zwar einen großen Erfolg dar, doch sie verschleiert große Probleme struktureller Arbeitslosigkeit . . . Die Staatsfinanzen sehen zwar vergleichsweise gut aus, doch auch der deutsche Staat leistet sich Rekorddefizite. Man könnte sagen: Deutschland ist derzeit eine Art Einäugiger unter Blinden. Und der "Figaro" aus Paris meint zum Thema Aufschwung: Die Quartalszahlen aus Deutschland sind natürlich sehr viel höher, ein Zeichen, dass Frankreich noch viel nachzuholen hat. (. . .) Doch unser Land steht nicht so schlecht da, wie die Sozialisten ständig behaupten. Nach Deutschland gehört Frankreich zu den Ländern, die der Krise in Europa nicht allzu schlecht widerstanden haben.