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Analyse: Warum Laschet neue Gesichter präsentieren will

Analyse : Warum Laschet neue Gesichter präsentieren will

Forderungen wie die des Thüringer Mario Voigt hört Armin Laschet im Moment viele. „Die Ostdeutschen müssen sich wiederfinden“, meinte Voigt kürzlich. Auch benötige die Union im Wahlkampf „einen Masterplan Ost für die nächsten zehn Jahre“, so der CDU-Spitzenkandidat bei der thüringischen Landtagswahl.

Wie die Bundestagswahl findet der Urnengang auch dort am 26. September statt. Die innerparteilichen Erwartungen an den Unions-Kanzlerkandidaten sind also groß. Und der Druck steigt.

Derzeit leisten hinter den Kulissen vor allem die Generalsekretäre von CDU und CSU die Programmarbeit. Das Ergebnis soll in fünf Wochen bei einer gemeinsamen Klausur der Parteipräsidien vorgestellt werden. Als Mannschaftskapitän liegt es freilich in Laschets Hand, ein Team für den Wahlkampf aufzustellen. Wann die Präsentation erfolgt, ob parallel zum Wahlprogramm oder nicht, ist offen.

Die Anforderungsprofile sind klar: Mindestens genauso viele Frauen wie Männer sollen vertreten sein, aus dem Osten wie dem Westen; nicht zu viele Politiker dürfen daher aus dem Heimatland des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten kommen. Und jeder Kopf muss mit seiner Kompetenz für ein Zukunfts- beziehungsweise Kernthema stehen. Kurzum: Der Neustart nach 16 Merkel-Jahren soll sich auch beim Personal zeigen, um den Trend in den Umfragen zu drehen. Bei dieser heiklen Aufgabe sucht Laschet nun nach jungen Talenten.

Friedrich Merz ist freilich kein solches. Mit der bereits verkündeten Berufung des 65-Jährigen in sein Team will Laschet die große Anhängerschaft des Ex-Fraktionschefs einbinden; auch gilt Merz als Zugpferd im Osten. Zwar merkte CSU-Chef Markus Söder mit beißendem Spott schon an, die Erfahrung des Sauerländers „insbesondere aus den 90er Jahren, die er damals als aktiver Politiker hatte, hilft uns da sicher“. Doch Merz kniet sich rein, wie führende Parteistrategen anerkennend anmerken. Der Wirtschaftsexperte kandidiert für den Bundestag und hofft auf ein Ministeramt nach der Wahl.

Merz dürfte allerdings eine Art Solitär im künftigen Team des Kandidaten sein. Laschet will dem Vernehmen nach vor allem neue Gesichter präsentieren, die auch für sein Versprechen eines „Modernisierungsjahrzehnts“ nach der Corona-Pandemie stehen sollen. Sein Blick hat sich bisher auf die Bundestagsfraktion gerichtet. So trat er kürzlich nach der Unions-Vorstandssitzung mit Fraktionsvize Nadine Schön auf. Die 37-Jährige Saarländerin leitet das „Netzwerk Digitalisierung“ der CDU, im vergangenen Jahr präsentierte sie die Initiative „Neustaat“ zur Entbürokratisierung und digitalen Reform des Gemeinwesens – ein zentrales Wahlkampthema für Laschet. Sollte sie Mitglied eines Kompetenzteams oder gar Schattenkabinetts werden, würde das nicht verwundern.

Bei den jüngst auf den Weg gebrachten Klimamaßnahmen stellte der CDU-Chef den Baden-Württemberger Andreas Jung ins Scheinwerferlicht, der auch schon 2019 das Klimapaket federführend für die Union verhandelt hatte. Der 46-Jährige ist zugleich Finanzfachmann und hoch anerkannt in der Fraktion. Weitere Namen für ein mögliches Laschet-Team kursieren – etwa der des Innenexperten Thorsten Frei (47) und des Mittelstandschef Carsten Linnemann (43). Oder der der schleswig-holsteinischen Bildungsministerin Karin Prien (55). Genannt wird auch die NRW-Staatssekretärin für Integration, Serap Güler (40). Generalsekretär Paul Ziemiak (35) gilt schon von Amtswegen gesetzt.

Bleibt die Frage, ob CSU-Politiker eingebunden werden sollen. Zwar habe er noch keine Vorstellung, wie Laschet seinen Kader entwickeln wolle, meinte vor wenigen Tagen CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt auf Nachfrage.