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Analyse: Warum Buttigieg jetzt das Handtuch wirft

Analyse : Warum Buttigieg jetzt das Handtuch wirft

Es ist erst vier Wochen her, dass Pete Buttigieg auf den Spuren Barack Obamas zu wandeln glaubte. In Iowa hatte er die erste Vorwahl der demokratischen Bewerber fürs Oval Office gewonnen, zumindest lag er dem Zwischenergebnis nach vorn, während peinliche Auszählungspannen tagelang verhinderten, den Sieger auszurufen.

Der Ex-Bürgermeister der Industriestadt South Bend schlug damals den großen historischen Bogen, den zur Wahl des ersten US-Präsidenten mit dunkler Haut. Dasselbe Iowa, das sich zwölf Jahre zuvor schon einmal auf einen jungen Kerl mit einem komischen Namen eingelassen habe, auf einen Burschen, dem niemand einen Sieg zugetraut hatte, sagte er, derselbe Staat könnte nun ihm geholfen haben bei dem Versuch, ein zweites Mal Geschichte zu schreiben. Ihm, dem womöglich ersten Präsidenten im Weißen Haus, der offen homosexuell lebt.

So überraschend stark Buttigieg gestartet war, so überraschend schnell warf er das Handtuch. Dass er früher oder später aufgeben würde, hatte sich zwar abgezeichnet. Dem Coup von Iowa und einem starken zweiten Platz in New Hampshire folgten herbe Enttäuschungen in Nevada und South Carolina. In Staaten, deren demokratische Parteibasis nicht Weiße dominieren, sondern Latinos und Schwarze, stand er auf verlorenem Posten. Bemerkenswert war dann nicht nur, mit welcher Schärfe der 38-Jährige erkannte, dass ein Politiker, der bei ethnischen Minderheiten nicht zu punkten vermag, in einer Partei, in der ethnische Minderheiten so stark vertreten sind, die Nase am Ende nicht vorn haben kann. Noch bemerkenswerter war, wie konsequent er die Reißleine zog, zwei Tage vor dem „Super Tuesday“, an dem der Senkrechtstarter hier und da wohl zumindest Achtungserfolge errungen hätte.

Es liegt an der Alarmstimmung in den Reihen der Moderaten, dass Buttigieg derart rasch handelte. Ebenso überraschend stieg am Montag auch Amy Klobuchar (59) aus dem Kandidatenrennen aus. Bernie Sanders, der Champion der Linken, hat Umfragen zufolge beste Chancen, sowohl in Kalifornien als auch in Texas, den beiden Schwergewichten des Votums an diesem Dienstag, die meisten Delegiertenmandate für den Nominierungsparteitag einzusammeln. Michael Bloomberg, der am Dienstag zum ersten Mal antritt, verspricht ihn zu stoppen, doch die Demoskopen billigen dem 60-Milliarden-Dollar-Mann aus New York allenfalls Außenseiterchancen zu. Gut möglich, dass es nun auf einen Zweikampf zwischen Sanders und Biden hinausläuft, zwischen einem leidenschaftlichen 78-Jährigen und einem 77-Jährigen, der bis zu seinem Comeback in South Carolina jede Leidenschaft vermissen ließ.

In dem offensichtlichen Versuch, Sanders aufzuhalten, haben altgediente Parteigranden Biden gerade erst, nach wochenlangem Zaudern, zur Wahl empfohlen. Eine ist Barbara Boxer, eine Ex-Senatorin aus Kalifornien, deren Wort an der Westküste wohl noch immer Gewicht hat. Ein anderer ist Tim Kaine, der Senator aus Virginia, der 2016 ein Wahlkampfgespann mit Hillary Clinton bildete. Buttigieg wiederum hatte sich als eine Art jüngerer, eleganterer Joe Biden präsentiert. Ein vorsichtiger Reformer, kein radikaler wie Sanders. Dass er seinen Ausstieg als Hilfeleistung für Biden versteht, daran lässt er keinen Zweifel. Wie er will sich auch Amy Klobuchar hinter Biden stellen. Ohne Sanders beim Namen zu nennen, wiederholte Buttigieg zum Abschied Argumente, wie sie auch der ehemalige Vizepräsident in die Debatte wirft, wenn er vor einem Durchmarsch des linken Senators warnt. Was die Partei brauche, sei eine breit angelegte Agenda, die den Menschen greifbare Ergebnisse bringe, nicht eine, die sich im Ideologischen verliere.