An den Börsen stehen die Zeichen auf Turbulenz

An den Börsen stehen die Zeichen auf Turbulenz

Brexit-Votum, Trumps Wahlsieg und Regierungskrise in Italien: Vor allem die Politik hat Börsen und Anleger 2016 in Atem gehalten. Hinzu kamen Sorgen um die globale Konjunktur. Zum Jahresende legte der Dax dennoch einen kräftigen Spurt auf gut 11 481 Punkte hin. Der deutsche Leitindex schaffte damit auf Jahressicht ein Plus von rund 6,9 Prozent. Hält die zuletzt zuversichtliche Stimmung der Anleger trotz aller politischen Stolperfallen auch 2017 an?

Angetrieben werden die weltweiten Aktienkurse vor allem von der Geldschwemme großer Notenbanken. Zwar zog die US-Notenbank die geldpolitischen Zügel im alten Jahr weiter an und signalisierte weitere Zinsschritte. Doch in Japan und im Euroraum ist Geld dagegen weiter ul trabillig. Erst Anfang Dezember verlängerte die Europäische Zentralbank (EZB) ihre milliardenschweren Käufe von Staatsanleihen und anderen Wertpapieren bis Ende 2017. Die Zinsen sollen länger niedrig bleiben.

Sparbuch und Co., aber auch Anleihen von Staaten mit guter Kreditwürdigkeit wie Deutschland werfen wegen der Geldflut kaum noch etwas ab - Investoren flüchten in Aktien . Der andauernde Mangel an attraktiven Anlagemöglichkeiten werde zusammen mit dem leicht beschleunigten Wachstum der Weltwirtschaft die Aktienmärkte beflügeln, sagt die DZ-Bank voraus. Die Experten trauen dem Dax einen Anstieg auf rund 12 000 Punkte bis zum Jahresende zu. Skeptischer ist die Deutsche Bank : Ihr Chef-Anlagestratege für Privat- und Firmenkunden, Ulrich Stephan, sieht den deutschen Leitindex in einem Jahr bei rund 11 300 Zählern.

Störfeuer könnte bis dahin erneut von der Politik kommen. Am 20. Januar zieht Trump als US-Präsident ins Weiße Haus ein. Im Wahlkampf hatte er Freihandelsabkommen kritisiert und protektionistische Töne angeschlagen. Handelsbarrieren könnten die Export-orientierte deutsche Wirtschaft empfindlich treffen. Dagegen sorgten die von Trump in Aussicht gestellten Steuersenkungen und hohen Infrastruktur-Investitionen an der Wall Street zuletzt für einen regelrechten Kaufrausch. Der Rückenwind für die US-Konjunktur könnte unterm Strich auch dem Dax helfen, meint Robert Greil, Chefstratege von Merck Finck Privatbankiers.

Doch die Unsicherheit ist groß. Im Frühjahr beginnen voraussichtlich die Brexit-Verhandlungen. In den Niederlanden wird das Parlament neu gewählt, in Frankreich der Präsident. Die Sorge geht um, dass Trumps Sieg Rechtspopulisten zusätzlichen Auftrieb geben könnte; sie stehen Freihandel und dem Euro kritisch gegenüber. Im Herbst stehen schließlich in Deutschland Bundestagswahlen an. Auch ein gewichtiger Grund, weshalb Dekabank-Chefvolkswirt Ulrich Kater im Superwahljahr die Politik als "bestimmenden Unsicherheitsfaktor" an den Finanzmärkten sieht.

Anleger, deren Nerven durch das Auf und Ab an den Börsen strapaziert wurden, konnten sich im abgelaufenen Jahr immerhin über einen milliardenschweren Dividendenregen freuen: Nach Berechnungen von Experten unter anderem der Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz schütteten rund 600 börsennotierte Unternehmen in Deutschland mehr als 42 Milliarden Euro an ihre Anteilseigner aus. Was aber nichts daran änderte, dass hierzulande nach wie vor nur knapp 15 Prozent des privaten Geldvermögens in Aktien oder Aktienfonds stecken. Die Bundesbürger bleiben eher börsenscheu.

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