AKK und Jens Spahn - Duell um die Macht

Analyse : Die Union rüstet sich zum Kampf um die K-Frage

Beim Deutschlandtag der Jungen Union am kommenden Wochenende in Saarbrücken werden sie alle auflaufen: NRW-Ministerpräsident Armin Laschet, CSU-Parteichef Markus Söder, Gesundheitsminister Jens Spahn, auch Friedrich Merz hat jetzt seine Teilnahme angekündigt.

Selbstverständlich wird die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer ebenfalls eine Rede halten. Es könnte bei dem Treffen zur Kraftprobe in der Union kommen. Wer hat das Zeug für höhere Weihen?

Im Moment richten sich die Blicke vor allem auf zwei der fünf Kontrahenten – auf Kramp-Karrenbauer und Spahn. Es heißt, Spahn sei augenblicklich derjenige, der von den Genannten in Sachen K-Frage wohl die besten Karten habe, falls AKK weiter schwächele. „Auch wenn ihm noch nicht die Herzen zufliegen“, wie ein Christdemokrat einschränkt.

Dem Vernehmen nach hat der Gesundheitsminister einen mächtigen Unterstützer: Wolfgang Schäuble. Der Bundestagspräsident hatte sich einst offensiv für Merz als CDU-Chef stark gemacht. Nun setzt er offenkundig auf Spahn. Dass AKK in dem 39-Jährigen gegenwärtig ihren stärksten Widersacher sieht, dafür gibt es keine klaren Belege. Aber hartnäckig hält sich das Gerücht, die 57-jährige Saarländerin habe auch deshalb nach dem Verteidigungsministerium gegriffen, um Spahn zu verhindern. Zudem wird als weiteren Anhaltspunkt für einen tobenden Zweikampf angeführt, dass AKK dem Gesundheitsminister während seiner Afrika-Reise einen Besuch der deutschen Soldaten in Mali verwehrt haben soll. Kramp-Karrenbauer wollte demnach nicht, dass Spahn vor ihrem Antrittsbesuch bei der Truppe dort vorstellig wird.

Anders als AKK scheint Spahn vieles richtig zu machen. Er konzentriert sich auf seinen Geschäftsbereich, er bewahrt Ruhe, selbst bei einem Thema, mit dem er früher noch die Hoheit über die Stammtische suchte: Migration und Flüchtlinge. Seine Stärke ist, dass er die Mühen der Ebene nicht scheut. Er diskutiert gerne. Das unterscheidet ihn von anderen in der Union, die strittige Debatten lieber vermeiden wollen. Es gibt sogar CDU-Granden, die glauben, Spahn werde in einem Wahlkampf gegen Grünen-Chef Robert Habeck eine bessere Ausgangsposition haben als AKK – wegen der dann klaren Polarisierung. Vielen ist er allerdings zu jung. Das ist sein großes Problem. Entschieden ist das Duell zwischen AKK und Spahn daher keineswegs. Zumal die anderen AKK-Konkurrenten weiterhin auf ihre Chance lauern.

Riskant ist für Kramp-Karrenbauer auch, dass der Partei-Nachwuchs über einen Antrag beraten will, wonach die Mitglieder die K-Frage entscheiden sollen. AKK hat sich dagegen ausgesprochen. Wäre die CDU-Chefin zu anderem bereit, wäre dies zwar ein Riesenschritt hin zu mehr Basisbeteiligung im Kanzlerwahlverein. Vor allem aber käme es einer Kapitulation der Saarländerin vor schlechten Umfragewerten und den innerparteilichen Kritikern gleich. Im Moment jedenfalls müsste sie ein Rennen gegen Spahn, Laschet oder Merz um die Kanzlerkandidatur fürchten.

Sollte sich die Jungen Union für einen Mitgliederentscheid aussprechen, könnte Kramp-Karrenbauer immer noch argumentieren, dass der Nachwuchs rebellisch sein muss. Wichtiger wird für sie der CDU-Parteitag im November sein. Wenn dort die Mehrheit der Delegierten der Vorsitzenden das erste Zugriffsrecht auf die Kanzlerkandidatur aus der Hand nimmt, wäre dies ein klares Misstrauensvotum. Dann müsste sie wohl über Konsequenzen nachdenken.

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