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Afrikas Angst vor dem Islamischen Staat. Der Sahel gerät zunehmend unter Kontrolle von Terrorgruppen.

Analyse : Afrikas Angst vor dem Islamischen Staat

Die Schüler waren auf dem Rückweg aus den Schulferien, als im Norden von Burkina Faso ein Sprengsatz am Straßenrand detonierte: Ihr Minibus wurde aufgerissen, 14 Insassen kamen ums Leben.

Der Terroranschlag vom Samstag ist nur einer von Hunderten, die die Sahelstaaten Mali, Niger und Burkina Faso erschüttern. Vor allem Burkina Faso haben die Islamisten im Fadenkreuz. Mehr als 2000 Zivilisten haben sie dort nach Schätzung der UN im vergangenen Jahr getötet. Und das könnte nur der Anfang sein. Wenn die Prognosen der International Crisis Group zutreffen, steht dem Sahel ein blutiges Jahr bevor.

Denn die Islamisten, die Anfang 2012 den Norden Malis besetzten, breiten sich den Konfliktforschern zufolge ebenso wie neue Terrorgruppen vom Rand der Sahara nach Süden aus. Die Staaten am Golf von Guinea könnten das nächste Ziel sein. Der sogenannte Islamische Staat in der Großsahara (ISGS) versucht offenbar, von Mali nach Benin und in den Norden Nigerias vorzudringen, wo Boko-Haram-Kämpfer Angst und Schrecken verbreiten. Und der Al-Qaida-Ableger „Gruppe zur Unterstützung des Islams und der Muslime“ (GSIM) könnte in die Elfenbeinküste, nach Togo und Ghana vorstoßen. Dabei ist Burkina Faso die Drehscheibe. „Bewaffnete Islamisten attackieren Zivilisten in Burkina Faso mit äußerster Brutalität“, sagt Corinne Dufka, Westafrika-Direktorin von Human Rights Watch. „Sie greifen vorsätzlich Bauern, Minenarbeiter, Vertriebene, Händler oder Kirchgänger an und begehen damit Kriegsverbrechen.“

Frankreichs Außenminister Jean-Yves Le Drian schlug im Dezember Alarm. Es drohe ein „Terrorgürtel“ quer durch den Sahel, der sich bis zum Mittelmeer nach Libyen ziehen könne, sagte er in einem Interview mit der Zeitung Le Monde. Und Frankreichs Generalstabs-Chef François Lecointre warnte: „Wenn wir erlauben, dass das Chaos sich etabliert, werden die Sahelstaaten kollabieren und ein Vakuum hinterlassen, das der ‚Islamische Staat‘ füllt.“ Frankreich hat derzeit 4500 Soldaten in der Region stationiert. Doch der Widerstand in der Region wächst, auch wegen der wachsenden Zahl von Terroranschlägen.

Frankreichs Außenminister Le Drian forderte deshalb, dass die Staatschefs der G5-Sahel-Staaten Mauretanien, Tschad, Burkina Faso, Mali und Niger sich bei einem Treffen am 13. Januar im französischen Pau klar zu einer militärischen Zusammenarbeit bekennen. Zeitgleich sucht Frankreich in Europa nach militärischer Unterstützung. Deutschland, mit bis zu 1100 Soldaten an der UN-Mission Minusma und einer EU-Ausbildungsmission in Mali beteiligt, käme nach Meinung von Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) in Frage. „Wir dürfen uns in der Südsahara militärisch nicht wegducken“, sagte sie kurz vor Jahreswechsel.

Doch viel wichtiger wäre es, dass die Staaten in der Region sich zusammenraufen. Die Einheiten der G5-Sahel, eine Militärallianz aus Tschad, Kamerun, Niger und Nigeria im Tschadsee-Becken und eine Grenztruppe von Benin, Burkina Faso, Elfenbeinküste, Ghana und Togo arbeiten ohne sichtbare Erfolge nebeneinander her.

Die Terrornetzwerke finanzieren sich mit dem Schmuggel von Waffen, Drogen, und Menschen. Jedes dazugewonnene Gebiet erhöht den Gewinn. Verlierer sind die Zivilisten. In Burkina Faso sind inzwischen 400 000 Menschen auf der Flucht, doppelt so viele wie vor einem Jahr. Die Zahl der Hungernden wird nach UN-Schätzung ebenfalls auf das Doppelte auf 4,8 Millionen steigen. In Niger, Mali und dem seit zehn Jahren von Islamisten heimgesuchten Norden Nigerias ist die Lage nicht besser. Dort hat eine Boko-Haram-Splittergruppe gerade wieder ein „Kalifat“ ausgerufen.