Die Londoner „Times“ warnt vor den Folgen des EU-Projekts Pesco:

Präsident Macron schwebt eine Kerngruppe europäischer Staaten vor, die in der Lage ist, heikle Missionen zu erfüllen und dafür über ein militärisches Hauptquartier verfügt. (...) Polen hat bereits Zweifel geäußert. Die USA bleiben skeptisch, dass Nato-Mitgliedstaaten tatsächlich mehr Geld bereitstellen. Und sie vermuten zu Recht, dass die Energie, die auf die Pesco gerichtet wird, weniger mit der Angst vor Russland als mit dem Wunsch zu tun hat, sich gegen künftigen Druck durch US-Präsident Trump zu wappnen. Letzten Endes könnte ein Keil zwischen Ost- und Westeuropa sowie zwischen Amerika und die EU getrieben werden.

Das „Badische Tagblatt“ aus Baden-Baden sieht dagegen viel Rauch um nichts:

Große Worte für einen kleinen Schritt: Politiker sprechen von einem Meilenstein, gar von einem historischen Moment. So vernünftig es ist, dass sich 23 EU-Staaten verpflichten, enger in der Verteidigungspolitik zusammenzuarbeiten, so wenig konkret ist der Beschluss. Außer einer Absichtserklärung enthält das Dokument nichts, was die Verteidigung der EU voranbringt.

Zur Asien-Reise von US-Präsident Donald Trum schreibt „Der Standard“ aus Wien:

Natürlich ist es fein, dass die große Fahrt des US-Präsidenten weitgehend ohne Skandale geblieben ist. Und weil Trump tatsächlich nichts dafür kann, dass sein philippinischer Amtskollege Duterte zu seinen Ehren ein Liebeslied vortrug, könnten Spötter glatt meinen, auch ein blondes Huhn fände mitunter ein Korn. Fehlerfreiheit bedeutet allerdings noch lange keine Fehlerfreiheit. Denn wer die Form zu wahren imstande ist, muss sich erst recht nach Inhalten fragen lassen.

Das „Handelsblatt“ wirft in der Arbeitszeit-Debatte die Frage nach der Finanzierung auf:

Die Arbeitgeber argwöhnen, dass die Gewerkschaften Deutschland am liebsten in einen Freizeitpark verwandeln würden. Und die Arbeitnehmervertreter, dass die Unternehmer unter mehr Flexibilität vor allem mehr Arbeit verstehen. (...) Mehr Freizeit für die Betreuung von Kindern oder Pflegebedürftigen ist durchaus diskussionswürdig. Wer das aber für ein relevantes Ziel hält, muss auch für eine gesamtgesellschaftliche Finanzierung durch Steuern sorgen. Weder können nur die Beschäftigten zur Finanzierung gezwungen werden noch dürfen die Kosten den Arbeitgebern aufgebürdet werden. Wirtschaftsunternehmen sind kein Wohlfahrtsverein. Daran hat sich auch gut 130 Jahre nach Marx’ Tod nichts geändert.