65 Jahre nach der Bombe trauert jetzt auch Amerika

Hiroshima. "Little Boy" kündigte seine zerstörerische Kraft mit einem gleißenden Blitz an. Eine Feuerwalze ließ Menschen zu Staub zerfallen, am Himmel stieg ein riesiger Wolkenpilz auf. Als die USA am 6. August 1945 um 8

Hiroshima. "Little Boy" kündigte seine zerstörerische Kraft mit einem gleißenden Blitz an. Eine Feuerwalze ließ Menschen zu Staub zerfallen, am Himmel stieg ein riesiger Wolkenpilz auf. Als die USA am 6. August 1945 um 8.15 Uhr über Hiroshima die erste Atombombe in einem Militäreinsatz zündeten, veränderten sie das Gesicht des Krieges für immer und hinterließen im kollektiven Gedächtnis der Japaner ein tiefes Trauma. Etwa 140 000 Menschen starben, entweder unmittelbar durch die Hitze und die Druckwelle oder in den folgenden Tagen und Wochen an der radioaktiven Strahlung. 65 Jahre nach dem Angriff nimmt morgen erstmals ein Vertreter der Vereinigten Staaten an der Gedenkfeier in Hiroshima teil. Einen Kranz soll der US-Botschafter in Tokio, John Roos, bei der Zeremonie niederlegen. Allerdings solle damit "aller Opfer des Zweiten Weltkrieges" gedacht werden, erklärte das Außenministerium in Washington. Entschuldigt haben sich die USA für die Atombomben-Abwürfe auf Hiroshima und drei Tage später auf Nagasaki, als weitere 70 000 Menschen starben, nie. In Umfragen sieht die Mehrheit der US-Bürger die Angriffe noch heute als gerechtfertigt an, als notwendiges Übel, um den Zweiten Weltkrieg zu beenden. Am 15. August 1945, neun Tage nach Hiroshima, verkündete Japans Kaiser Hirohito die Kapitulation. In der japanischen Bevölkerung ist allerdings noch immer die Ansicht weit verbreitet, dass die Bomben nicht mit dem Ziel abgeworfen wurden, das Land zum Aufgeben zu zwingen - sondern um die neuen Waffen vor dem Hintergrund des sich abzeichnenden Konflikts mit der Sowjetunion zu testen. Neben den USA werden auch die Atommächte Frankreich und Großbritannien zum ersten Mal Vertreter zu der Gedenkveranstaltung schicken. Und mit dem Südkoreaner Ban Ki Moon wird erstmals ein UN-Generalsekretär an der Zeremonie in Hiroshima teilnehmen. Ban erinnerte dieser Tage an die Bedeutung der atomaren Abrüstung. "Ich werde Hiroshima und Nagasaki besuchen, um der Welt ins Gedächtnis zu rufen, dass die atomare Rüstung eine reale Gefahr ist", sagte er: "Wir müssen alles, was in unserer Macht steht, für eine Welt ohne Atomwaffen tun." Viele Japaner hoffen, dass nach der Teilnahme des US-Botschafters an der Gedenkfeier weitere Gesten folgen werden, dass bald auch ein amtierender Präsident nach Hiroshima oder Nagasaki reist. Jimmy Carter besuchte erst nach Ende seiner Amtszeit die Gedenkstätte in Hiroshima, Richard Nixon kam als Privatbürger. Die Hoffnungen ruhen also wieder auf Barack Obama, der unter anderem wegen seines Einsatzes für eine atomwaffenfreie Welt mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde. Obama soll am Rande eines Asien-Pazifik-Gipfels im Oktober nach Japan kommen und könnte den Aufenthalt für einen historischen Besuch in den beiden Städten nutzen. Obama hatte im vergangenen Herbst im japanischen Fernsehen angekündigt, im Laufe seiner Präsidentschaft nach Hiroshima und Nagasaki reisen zu wollen. "Die Erinnerungen an Hiroshima und Nagasaki sind im Gedächtnis der Welt eingraviert", hatte er gesagt. Überlebende der Atombomben-Angriffe, die so genannten Hibakusha, hatten die Ankündigung Obamas begrüßt. "Er soll so früh wie möglich kommen", sagte der Vorsitzende einer Opfervereinigung in Hiroshima. Bei der morgigen Gedenkfeier müssen sie aber noch mit dem Botschafter Vorlieb nehmen.

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