Von der Leyen und Merkel müssen in EU 2020 liefern, vor allem beim Haushalt

Kommentar: EU 2020 vor großen Herausforderungen : Europa muss liefern – und braucht dafür mehr Geld

Die Erwartungen an zwei deutsche Politikerinnen sind in Europa hoch. Ursula von der Leyen muss in den kommenden Monaten als EU-Kommissionspräsidentin den Aufbruch in eine CO2-freie Zukunft organisieren und durchsetzen.

Angela Merkel soll für die künftige Finanzierung der Gemeinschaft sorgen. Denn Deutschland übernimmt im zweiten Halbjahr die Ratspräsidentschaft der Union. Beide wissen: Die Zeit der vollmundigen Versprechungen und der hochfliegenden Träume ist vorbei. Jetzt müssen Ergebnisse und Beschlüsse her, damit die EU planen und arbeiten kann.

 Denn die Wunschliste der 27 Regierungen ist lang: Der Green Deal wird ohne finanzielle Unterstützung aus Brüssel für viele nicht zu schaffen sein. Außerdem müssen zusätzliche Herausforderungen gestemmt werden: der Ausbau der Grenzschutzagentur Frontex, die künftig mit zehntausend Fachleuten von der Polizei bis zum Verwaltungsexperten dort helfen soll, wo einzelne Mitgliedstaaten überfordert sind. Für das Jugend-Austauschprogramm Erasmus+ steht eine Ausweitung an. In der Forschung will Europa seine Anstrengungen verstärken, die digitale Zukunft braucht Impulse.

All das ist mit dem bisherigen Finanzrahmen nicht zu schaffen, der ohnehin durch den Wegfall der britischen Zahlungen zusammenschmilzt. Aber nicht einmal Deutschland ist bereit, mehr in die Gemeinschaftskasse einzuzahlen. Wie das funktionieren soll, wenn man doch gerne noch weitere Pläne wie ein zusätzliches Euro-Zonen-Budget verwirklichen soll, steht in den Sternen. Zumal bereits in den vergangenen Jahren alle Versuche, über Einsparungen zum Beispiel bei der Landwirtschaft oder den Hilfen für die Infrastruktur zu reden, mit der Androhung von Vetos und Blockaden abgewehrt wurden.

Die EU steht also wieder einmal mit dem Rücken zur Wand, zerrissen zwischen Wunsch und Wirklichkeit. Jeder hätte gerne mehr, aber keiner ist bereit, mehr zu geben. Von der Leyen und Merkel müssen Kompromisse schmieden, wo derzeit kein Spielraum möglich scheint. Nicht einmal der Green Deal, von dem die Zukunft des Planeten abhängt, ist unumstritten. Die Kommissionspräsidentin muss die Skeptiker in den eigenen Reihen der Christdemokraten erst noch überzeugen, dass die ökologische Revolution zugleich auch ein Konjunkturprogramm ist. Gemeinsam mit Merkel wird sie einmal mehr den Mitgliedstaaten klarmachen müssen, dass Beitragszahlungen kein verlorenes Geld, sondern die Grundlage für höhere Subventionen aus den EU-Töpfen sind. Außerdem braucht man neue Finanzierungsmodelle wie den einstigen Juncker-Fonds, der mit Hilfe öffentlicher Zuschüsse privates Kapital in lange nicht für möglich gehaltenen Dimensionen mobilisiert hat – in der vergangenen Legislaturperiode kamen immerhin knapp 500 Milliarden Euro zusammen. Europa wird dennoch nicht ohne höhere Beiträge auskommen, sich aber zugleich viel konsequenter über die effiziente Vergabe der Mittel klar werden müssen. Nur wenn das alles zusammenkommt, ergibt das einen Plan für die Zukunft.