USA gegen Iran am Golf: Der Sieger heißt bisher Teheran

Trumps Eskalationsstrategie : USA gegen Iran am Golf: Der Sieger heißt bisher Teheran

Über dem Öltanker „Grace 1“ weht jetzt die Flagge Irans. Als die Behörden im britischen Gibraltar das Schiff mit zwei Millionen Barrel Öl nach Wochen der Blockade freigaben, wurde an Bord die Fahne Panamas durch die der Islamischen Republik ersetzt.

Hektische Versuche der USA, den Tanker weiter festzuhalten, wirken wie ein Eingeständnis des Scheiterns. Denn der Iran steht als vorläufiger Sieger der jüngsten Eskalationsrunde im Streit mit den USA seit dem Frühjahr fest.

Im Mai hatte die Regierung von US-Präsident Donald Trump die Ausnahmegenehmigungen für Länder wie China beim Kauf von iranischem Öl beendet und damit die Sanktionen gegen den Iran verschärft. Trump will die Iraner mit einer Politik des „maximalen Drucks“ dazu zwingen, sich strengeren Vorgaben für ihr Atomprogramm zu unterwerfen und ihre aggressive Nahost-Politik aufzugeben. Deshalb verlegte Trump zusätzliche Marine- und Luftwaffeneinheiten an den Golf. Hardliner wie Sicherheitsberater John Bolton sahen ihre Stunde gekommen. Das Wort vom Regimewechsel machte die Runde.

Doch Trumps Politik blieb bisher ohne durchschlagenden Erfolg. Zwar sind die iranischen Ölexporte stark zurückgegangen. Doch kompromissbereiter ist der Iran nicht geworden, im Gegenteil. Mit nadelstichartigen Angriffen auf Öltanker im Golf und verstärkten Drohnen-Attacken der verbündeten Huthis im Jemen auf Saudi-Arabien machte Teheran deutlich, dass eine militärische Eskalation für den Westen und für die US-Partner in Nahost einen hohen Preis haben würde.

Eine riskante, aber wirksame Taktik. Bei Trump kam die Botschaft  an. Einen Militärschlag gegen Teheran blies der US-Präsident im Juni in letzter Minute ab. Mit dem Rück­zieher verunsicherte er einige US-Verbündete: Sie kamen zu dem Schluss, dass sie sich im Falle eines Falles nicht unbedingt auf Trump verlassen können, wenn der Iran zum Beispiel mit Raketen angreifen sollte. Auch der US-Plan für einen internationalen Marine-Verband zum Schutz der Schifffahrt im Golf kommt nicht von der Stelle.

Die Vereinigten Arabischen Emirate bemühen sich bereits seit einiger Zeit um eine Iran-freundlichere Politik und wollen zudem ihre Truppen aus Jemen abziehen. Länder wie Oman oder der Irak wollten sich von Anfang an nicht in Trumps Anti-Iran-Front einreihen.

Mit absichtlichen Verletzungen des internationalen Atomabkommens wertete sich der Iran gleichzeitig auf internationaler Bühne auf – zumindest Europa verhandelt so intensiv mit Teheran wie schon lange nicht mehr. Drei Monate nach Beginn der jüngsten Krise betreibt der Iran eine höhere Urananreicherung als im Atomvertrag vorgesehen, ohne dass er dafür Strafmaßnahmen der Europäer zu erwarten hätte.

Auch hat die Wirtschaftskrise, die sich durch den „maximalen Druck“ der USA täglich verschärft, dem iranischen Regime bisher nichts anhaben können. Die Vorstellung von Iran-Gegnern wie Bolton, die Iraner würden sich unter dem Druck der Krise gegen das Mullah-Regime erheben, ist wohl Wunschdenken.

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