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US-Präsident Trump hat beste Aussichten auf seine Wiederwahl 

Treue Republikaner und schwache Demokraten : Trump hat beste Aussichten auf seine Wiederwahl

Die vergangene Woche war eine gute für Donald Trump. Den Freispruch am Ende des Amtsenthebungsverfahrens feierte der amerikanische Präsident als Befreiungsschlag, obwohl nie jemand ernsthaft damit gerechnet hatte, dass sich im Senat die zu seiner Absetzung nötige Zweidrittel-Mehrheit finden würde.

Die Art, wie der Präsident neun Monate vor der Wahl zur Offensive blies, lässt schon erkennen, wie er den Wahlkampf zu führen gedenkt. Alles zielt darauf ab, die eigene Basis zu mobilisieren. Jene durch nichts zu beirrenden Anhänger, die 2016 gerade deshalb für ihn stimmten, weil er den etablierten Eliten verbale Molotow-Cocktails vor die Füße warf und weil er Dinge sagte, die einem Professor aus Harvard nie über die Lippen kommen würden.

Um darüber hinaus in der gesellschaftlichen Mitte zu punkten, stempelt er seine demokratischen Herausforderer zu Revolutionären einer „radikalen Linken“. Er bezeichnet  sie als Gegner des gesunden Menschenverstands, die 160 Millionen Amerikanern ihre privaten Krankenversicherungen nehmen, hart arbeitenden Menschen durch einen Wust an bürokratischen Auflagen das Leben vergällen und an der Grenze zu Mexiko gedankenverloren zuschauen, wie illegale Einwanderer ins Land strömen. Dies ist die Karikatur, deren Umrisse Trump schon jetzt an die Wand malt. Deswegen hofft er, dass der linke Flügel der Demokraten mit Bernie Sanders oder einer Elizabeth Warren die Oberhand behält. Angesichts der Schwäche des gemäßigten Joe Bidens sieht es gut aus für Trump aus.

Natürlich profitiert der Präsident auch von den peinlichen Pannen, die sich die Demokraten zum Auftakt ihrer Vorwahlen in Iowa leisteten. Eine handfeste Blamage, die Trump mit sicherem Gespür auszuschlachten weiß. Schließlich die Konjunktur, das vielleicht stärkste Argument des Amtsinhabers, um auch in der gesellschaftlichen Mitte zu punkten. Es stimmt, die Arbeitslosigkeit ist auf den niedrigsten Stand seit Ende der 60er-Jahre gefallen.

Bei genauerer Betrachtung ergibt sich indes ein differenzierteres Bild, als es vollmundige Reklamesprüche des Präsidenten nahelegen. Boomregionen stehen strukturschwache Gebiete gegenüber, in denen vom Aufschwung nichts bis wenig zu spüren ist. Man denke nur an West Virginia, den Staat, dem Trump eine Renaissance der Kohle prophezeite. Dazu ist es aber nicht gekommen. Im vergangenen Jahr wuchs die US-Wirtschaft um 2,3 Prozent, das ist seit vier Jahren das schwächste Wachstum. Wie der konservative Peterson-Stiftung ermittelte, haben zwar weiße, männliche Amerikaner zu 48 Prozent das Gefühl, finanziell besser oder sogar viel besser dazustehen als zu Beginn des Jahres 2017. Weiße Frauen dagegen sehen es nur zu einem Drittel so, während afroamerikanische Männer etwa zur Hälfte der Meinung sind, dass sich ihre Lage, was das Geld angehe, in dem Zeitraum verschlechtert habe. Der Präsident blendet die vielschichtige Realität allerdings weitgehend aus. Wenn es die Amerikaner im November auch tun, hat Trump leichtes Spiel.