50. Todestag : Che Guevara ist mehr als ein Abziehbild der Werbung

Vor 50 Jahren ist der kubanische Comandante Ernesto Che Guevara in den Bergen Boliviens exekutiert worden. Sein Lebenswerk, die permanente Revolution zur Befreiung der von Kapitalismus und Faschismus unterdrückten Menschen, ging damit ebenso unter. Stattdessen wurde sein Konterfei, mit Baskenmütze, rotem Stern, dem wilden Bart und dem durchdringenden Blick, schwarz auf blutrotem Grund, millionenfach zum Gebrauchsmuster. Ob Bierdosen, Allzweckreiniger, T-Shirts oder Tattoos: Das Bildnis des Che lebt weiter im Gedächtnis der Menschheit.

Doch die wenigsten Menschen wissen im Jahr 2017 noch, wer dieser Mensch Che Guevara war, dessen Bild sie in ihrem Alltag begegnen. Waren es in der Nach-68er-Zeit noch die linken Jugendlichen und Studenten, die ihre WG-Zimmer mit Che-Postern schmückten und bei den Sitzungen der poltischen Splittergruppen auch über Ches Thesen debattierten, steckt hinter dem Che-Emblem heute meist nur noch Ahnungslosigkeit.

Was wäre, wenn Chef Guevara die selbst gewählten Guerilla-Kämpfe überlebt hätte und heute mit 89 Jahren in Havanna im Schaukelstuhl auf der Terrasse Interviews geben würde? Die Welt hätte die größte Ikone des 20. Jahrhunderts nicht gehabt, denn erst sein Tod vor 50 Jahren hat diese Entwicklung ausgelöst. Doch ein Guevara im Jahre 2017 würde so fundamental kontrastieren zu all den Führern dieser Welt, von Trump über Erdogan zu Kim Jong Un und Putin. Denn die Botschaft des Argentiniers, der in Kuba 1957 bis 1959 half, den Diktator Batista aus dem Land zu jagen, war eine universelle. Nicht „Amerika, Türkei, Nordkorea oder Russland zuerst“, sondern die Armen und Entrechteten dieser Erde, die an Hunger Sterbenden und die Millionen Flüchtlinge waren seine Zielgruppe. Dafür opferte er sein etabliertes Leben als kubanischer Minister. Die Form seines Kampfes, der ihn am Ende entkräftet und allein gelassen einem Exekutionskommando des bolivianischen Diktators ausgeliefert sah, ist zu Recht von vielen Seiten kritisiert worden. Aber Guevara hatte eine Idee, die auf Zuneigung und Verständnis für die Menschen fußte. Es ging ihm nicht darum, nur das eigene Ego im Blick zu haben. An diesen Egoismen, die man auch Nationalismen nennen kann, krankt die gesamte Weltgemeinschaft, mit den Folgen unendlichen Leids.

Wenn heute, an Ches 50. Todestag, all die Millionen, die sein Bild auf der T-Shirt-Brust tragen, sein Tattoo auf dem Oberarm, mit der Che-Seife scheuern oder sein Bier trinken, einen Moment innehalten und in Google nach Ches Botschaften suchen würden, wäre dem wahren Andenken an Guevara gedient.

Dass es nicht so sein wird, ist ebenso sicher. In 100 Jahren wird das Bild des Ex-Commandante wahrscheinlich immer noch den Absatz von Produkten beflügeln und entsprechende Gewinnmargen erzielen. An den unterdrückten Menschen dieser Welt geht dieser Geldsegen, der bis 2067 in die Abermilliarden geht, vorbei.