Sorgerechts-Diskussion: Wechselmodell ist für viele Scheidungskinder besser

Leitartikel : Für Trennungskinder sind zwei halbe Zuhause besser als keins

Eine Trennung der Eltern ist ein Unglück für jedes Kind. Ob es zur Großkatastrophe wird, hängt davon ab, wie Vater und Mutter in der folgenden Zeit mit dem Kind und auch mit sich selbst umgehen.

Was ist das Beste für alle Beteiligten? Das Wechselmodell etwa, das bedeutet, dass das Kind eine Woche hier, eine Woche da bleibt? Oder der Wochenend-Papa? Auf diese Alternative spitzt sich das Thema derzeit zu, obwohl die Frage des Aufenthaltsortes aus Kindessicht nicht die einzig entscheidende ist. Zeit, Wärme, Liebe sind noch viel wichtiger.

Es wird erregt diskutiert. Die FDP fordert, die Halbe-Halbe-Regelung zum Standard zu machen, damit die Familiengerichte sie künftig auch öfter anordnen können. Die Linke hält dagegen. Väterinitiativen erklären, der Lobby der alleinerziehenden Mütter gehe es nur ums Geld. Ihnen nicht? Die Mütter wiederum warnen vor einer Verletzung des Kindeswohls. Als ob nur sie es garantieren könnten.

Dabei sollte doch gelten: Wenn Gleichberechtigung im Familienalltag das Ziel ist – und vielleicht sogar schon gelebt wurde –, sollte es auch die gleichberechtigte Erziehung nach der Trennung sein. Die überforderte alleinerziehende Mutter (oder der alleinerziehende Vater, der seltener, aber nicht minder überfordert ist) hier, der Schön-Wetter-Vater für den Kinobesuch am Wochenende da, das kann nicht das Leitbild sein. Die Kinder müssen bei beiden Elternteilen Geborgenheit finden. Also auch Normalität und Alltag. Mit Hausaufgaben, Krankheiten, Geschwisterstreit, Klamotten kaufen, Sport. Das ganze Programm.

Kinder brauchen ein Zuhause, nicht zwei, wird entgegengehalten. Ja, aber dieses eine Zuhause ist mit der Trennung sowieso schon zerbrochen. Zwei halbe sind dann die bessere Variante, wenn es zwei gute sind. Sie sind es aber nicht automatisch, nicht immer und nicht überall. Das Wechsel­modell setzt zum Beispiel Arbeitszeiten bei den beiden Elternteilen voraus, die damit auch vereinbar sind. Es erfordert nahe beieinander liegende Wohnungen, in denen es jeweils Kinderzimmer gibt. Es ist also teuer. Und es verlangt von beiden Elternteilen große Kooperationsbereitschaft. Also das Gegenteil von dem, was es oft nach Trennungen gibt.

Gesetzlich ist schwer zu entscheiden, was in jedem Einzelfall die bessere Lösung für Eltern und Kinder ist. Gesetzlich sollte man kein einziges Modell festlegen. Aber man sollte das Wechselmodell endlich so fördern, dass es als gleich gute Variante in Erwägung gezogen werden kann. Im Steuerrecht, bei Hartz IV und beim Wohngeld, bei der Aufteilung des Kindergeldes oder des Familienzuschlages. Und auch von den Familiengerichten. Das ist alles bisher noch auf das Alleinerziehermodell zugeschnitten. Außerdem muss man die Mediation ausbauen, also die Eltern besser in dieser konfliktreichen Zeit beraten. Womöglich würden dann nicht nur 15 Prozent der Scheidungseltern das kooperative Wechselmodell wählen, sondern viel mehr. Ihnen und den Kindern wäre es zu wünschen.

Mehr von Saarbrücker Zeitung