Reisen ist immer noch Luxus, doch die Ziele ändern sich

Tourismusbörse ITB : Reisen ist immer noch Luxus, doch die Ziele ändern sich

Urlaubsbilder von weißen Traumstränden haben dieselbe Funktion wie die soeben verabschiedeten Fastnachtshexen: Sie sollen den Winter vertreiben. Den Startschuss dazu gibt alljährlich die internationale Tourismusbörse ITB in Berlin.

Hier werden Trends aufgespürt und das Reiseverhalten der Deutschen unter die Lupe genommen.

98 Euro pro Tag geben die Bundesbürger im Schnitt für ihren Urlaub aus. Das sind, hochgerechnet auf den Gesamturlaub, 1250 Euro pro Person, 2008 waren es noch 960 Euro. Zu dem Ergebnis kommt die BAT-Stiftung für Zukunftsfragen. Ziele und Vorlieben schwanken, doch eine Konstante bleibt – Reisen ist immer auch Luxus.

Noch vor 20 Jahren galt es als besonders schick, möglichst weit weg zu fliegen, Mexiko, Malediven, Phuket. Das ist längst vorbei. Zumal inzwischen eine Generation von jungen Erwachsenen herangewachsen ist, die als Kinder mit ihren Eltern bereits in der Dominikanischen Republik Kokossaft geschlürft und auf der Aida cara das Kinderprogramm absolviert haben. Mit „immer höher, immer weiter“ braucht man dieser Gruppe nicht zu kommen. Mit Pauschalreisen allerdings auch nicht.

Vor 25 Jahren buchten noch 80 Prozent der Deutschen eine gusseiserne Neckermannreise, heute sind es nicht einmal mehr 20 Prozent. Vor 15 Jahren glaubten Reiseexperten, die Billigflieger würden unser Reiseverhalten grundlegend ändern. Nein, das haben Internetplattformen wie Air bnb, Buchungsportale und Instagram viel gründlicher getan. Befeuert vom Verhalten der Generation Y, die im Reisen ohnehin eine Art Dauerzustand sieht.

Freunde in Australien, in London, in Stockholm zu besuchen, gehört zum Lebensgefühl dazu, Klimaschutz muss ja nicht täglich sein. Während die Großeltern bei Freundes-Besuchen noch in Uschi’s Frühstückspension abstiegen, nutzen die Jüngeren Air bnb. Es ist ja auch eine wunderbare Illusion: jeder Einheimische wird zum potenziellen Privat-Hotelier. Doch was als nette Idee begann, hat sich für Mitbewohner im selben Haus zur handfesten Belastung ausgewachsen, Rollkoffer-Terror, Partygekreische und ständig wechselnde, fremde Gesichter im Treppenhaus inklusive.

Städte wie Amsterdam, Paris und Berlin haben die Notbremse gezogen und Restriktionen durchgesetzt. Doch je mehr Geld zur Verfügung steht, desto höher werden die Ansprüche, die nicht mehr mit Air bnb befriedigt werden können. Kinderlose Paare gönnen sich im Urlaub am meisten (1417 Euro pro Person), aber auch Ruheständler (1200 Euro) geben viel Geld für den Urlaub aus. Was versteht man 2019 unter Luxusurlaub? Ein edles Landhaus mit Park, hervorragendes Essen, persönlicher Service, ein elegantes Spa, Diskretion.

Das kann ein Relais & Château in der Provence eher erfüllen als ein Hilton auf Bali. Für die Generation jüngerer asiatischer Millionäre, die Europas Luxusdestinationen stürmen, gilt das allerdings nicht, für sie zählt vor allem eines: Welches einzigartige Instagram-Bild kann ich von meinem Urlaub posten?