Millionen für Neymar: Geld regiert die Fußball-Welt

222 Millionen für Neymar : Der Fußball als Spielball der Geld-Herrscher

Neymar da Silva Santos Junior – schon der Name klingt nach Kunst, Eleganz, nach etwas Besonderem. Und das ist der 25-Jährige jetzt, er ist der teuerste Fußballer der Geschichte. 222 Millionen Euro blättert Paris Saint-Germain, ein Club in den Händen der katarischen Herrscherfamilie, für den Brasilianer hin. Mit Gehalt und allen Extras kostet das Engagement in den nächsten fünf Jahren locker über eine halbe Milliarde Euro.

Neymar da Silva Santos Junior – schon der Name klingt nach Kunst, Eleganz, nach etwas Besonderem. Und das ist der 25-Jährige jetzt, er ist der teuerste Fußballer der Geschichte. 222 Millionen Euro blättert Paris Saint-Germain, ein Club in den Händen der katarischen Herrscherfamilie, für den Brasilianer hin. Mit Gehalt und allen Extras kostet das Engagement in den nächsten fünf Jahren locker über eine halbe Milliarde Euro.

Es sind Zahlen, die den normalen Fan hilflos bis wütend zurücklassen – und die internationale Presse ebenso. Von einem „total beknackten Transfer“ ist die Rede, von einem „Monster-Einkauf“, einem „Wahnsinnsrekord“. Tatsächlich ist Wahnsinn eines der wenigen passenden Wörter für das, was heute im Fußball möglich ist. 222 Millionen entsprechen dem Gegenwert von 888 Einfamilienhäusern oder 80 000 Monatslöhnen in Deutschland. Kann und darf man für einen Fußballer so viel Geld bezahlen?

Katar kann das. Der Wüstenstaat, nur viereinhalb Mal so groß wie das Saarland, ist dank Gas und Öl eines der reichsten Länder der Welt. Geld und Geltungsdrang gibt es im Reich von Scheich Tamim bin Hamad Al Thani wie Sand. Und Katar hat einen Plan, die „nationale Vision 2030“, die das Land von Bodenschätzen unabhängiger machen soll. Deshalb ist der Neymar-­Deal hochpolitisch, es geht um Aufmerksamkeit und internationale Anerkennung. Und im Vergleich zu dem Geld, das nötig war und ist, um die WM an den Persischen Golf zu holen, sind 222 Millionen wirklich nur die berühmten „Peanuts“. Zur Erinnerung: In fünf Jahren findet das wichtigste Turnier der Welt in der Wüste statt, das Finale sechs Tage vor Weihnachten.

Dass der Weltverband Fifa den Zuschlag gab für diese Idiotie, war ein viel größerer Tabubruch als die jetzigen Neymar-Millionen. Doch Fußball-Funktionäre waren stets groß in dem, was Brecht einmal so formulierte: Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral!

Für so etwas Antiquiertes wie Moral ist im modernen Fußball längst kein Platz mehr. Nicht nur Katar ist dafür ein Beispiel. Auch in England schmeißen Scheichs und Oligarchen mit Scheinen um sich. Dortmund-Boss Hans-Joachim Watzke hat für diesen Geld-Wahnsinn ein schönes Bild gefunden: „Die kommen alle mit 280 Stundenkilometern auf der linken Spur mit Lichthupe angerauscht und wollen uns verdrängen.“ Es stimmt: Im Kampf um die Champions ­League droht inzwischen selbst der deutsche Liga-Krösus FC Bayern abgehängt zu werden. Ein Verein nebenbei, der von einem verurteilten Steuerbetrüger geführt wird.

Sportlich ist der Neymar-Wechsel übrigens logisch. Paris, das seit Jahren nach der Krone Europas strebt, braucht einen Super-Superstar, um sich diesen Traum zu erfüllen. Und auch für Neymar, bislang im Schatten des unerreichten Messi, ist Paris die Chance, endlich als Chef Titel zu gewinnen. Aus saarländischer Sicht hat der Transfer ebenfalls Charme: Der teuerste Fußballer der Erde ist jetzt in zwei Zug-Stunden zu erreichen. Oder kann in Metz und Straßburg bestaunt werden. Falls man eine Karte bekommt – und diesen Wahnsinn noch mitmachen will.

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