Mario Draghi, Chef der EZB, verschärft Politik des billigen Geldes

Europäische Zentralbank : Die weitere Geld-Flut schadet den Kleinsparern

Wenn man sich wie zurzeit der deutsche Staat Geld leihen kann und hinterher weniger zurückzahlen muss, als man bekommen hat, stimmt etwas nicht. Das kann nicht gesund sein, für niemanden. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat ihre Niedrigzinspolitik 2008 begonnen, um der damaligen Wirtschaftskrise zu trotzen.

Sie hat sie dann fortgesetzt, um den Euro zu retten und den klammen südeuropäischen Staaten zu helfen. Das war vorübergehend richtig. Doch hat die EZB nie den Ausgang gefunden. Jetzt soll das billige Geld als Stimulanz für die stockende Konjunktur auch im Norden Europas dienen. Wohlgemerkt, stockend. Krise ist etwas anderes. Und jetzt ist man schon bei Negativzinsen. Die Märkte werden mit Geld regelrecht geflutet.

Eine der Folgen war schon bisher die Immobilienblase. Die Anleger kaufen praktisch unbesehen, in der Hoffnung, hier eine Wertsteigerung zu erzielen. Das treibt Grundstücks-, Bau- und Mietpreise. Auch andere Märkte wie Gold, Oldtimer oder Kunst boomen. Das wird sich nach dem jüngsten Schritt von EZB-Präsident Mario Draghi noch verstärken – mit allen Gefahren, die Blasen mit sich bringen. Wenn das Geld wenigstens in Aktien fließen würde und bei den so gestärkten Unternehmen dann in Investitionen. Doch dagegen steht die weltpolitische Situation. Solange Handelskriege geführt werden, der Brexit ungeregelt ist und militärische Spannungen anhalten, wird das Zinssignal aus Frankfurt nicht zünden. Dieses Pulver hat zu lange draußen gelegen. Es ist nass geworden. Leicht könnte US-Präsident Donald Trump zudem die Senkung als Beginn eines Währungskrieges gegen die USA deuten – und seinerseits mit Strafzöllen reagieren, die er ohnehin erheben möchte. Kein Zinssignal aus Frankfurt wäre in dieser sensiblen Phase das bessere gewesen.

Weil die Lage an den Aktienmärkten und in der Welt so schwankend ist, werden die Kleinsparer nicht von Sparbuch und Festgeld lassen. Vielleicht versuchen sie ihr Glück in Münzen oder Briefmarken. Oder sie legen ihr Geld unter das Kopfkissen. Klar, niedrige oder sogar negative Zinsen sind eine Erleichterung beim Kauf neuer Autos oder Elektrogeräte. Jetzt ist die Zeit zum Schuldenmachen. Doch war das Niveau für Konsumentenkredite schon bisher so niedrig, dass die Nachfrage jetzt kaum noch einen zusätzlichen Schub bekommen wird. Alle haben ihren neuen Breitwandfernseher ja schon.

Das einzige, was wirklich passieren wird, ist, dass die Negativzinsen massiv auf die Kleinsparer durchschlagen. So oder so, durch Entwertung ihrer Anlagen, auch ihrer Altersversorgung, oder indirekt durch die Erhöhung von Bank­nebenkosten. Wenn das sozial schädliche Größenordnungen erreicht, muss der Staat die Menschen zu schützen versuchen und regulierend eingreifen. Bei der EZB kann er es nicht, sie ist unabhängig. Hier kann man nur hoffen, dass Draghis Nachfolgerin Christine Lagarde bald eine Kurswende einleitet. Der aktuelle EZB-Entscheid sollte der untere Boden gewesen sein.