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Turbulenter Parteitag: Lust am Untergang erschwert den Neustart der Saar-Linken

Turbulenter Parteitag : Lust am Untergang erschwert den Neustart der Saar-Linken

Man müsse die Streitereien beenden, forderte der Bundestagsabgeordnete Thomas Lutze am Wochenende in seiner Parteitagsrede, die Saar-Linke sei schließlich kein Obst- und Gartenbauverein, sondern eine politische Partei. Das ist richtig: Was sich die Linke am Samstag bei ihrem Parteitag geleistet hat, wäre in jedem Obst- und Gartenbauverein undenkbar.

Es gab beim Parteitag ein paar Schlüsselszenen, die zeigen, dass dieser Landesverband aus der zermürbenden Auseinandersetzung der vergangenen Jahre wenig bis nichts gelernt hat. Zum Beispiel, als die Kassenprüfer empfahlen, den alten Landesvorstand nicht zu entlasten – weil die Kassenführung auf den unteren Ebenen der Partei „richtig grauselig“ sei und viele Mitglieder keinen Beitrag zahlten. Die meisten Delegierten interessierte das nicht, sie stimmten trotzdem für die Entlastung.

Zu einem Neuanfang gehört auch, die Vergangenheit aufzuarbeiten, nichts unter den Teppich zu kehren. Was die scheidende Vorsitzende Astrid Schramm mit Blick auf den „katastrophalen Zustand“ der Mitgliederdatenbank sagte, müsste eigentlich bei allen Verantwortungsträgern die Alarmglocken schrillen lassen. Wenn die Mängel tatsächlich so eklatant sind, stellt sich nämlich die Frage nach der Legitimität eines Parteitages, deren Zusammensetzung sich schließlich nach den Mitgliederzahlen bemisst.

Für den überfälligen Neuanfang gab es einen perfekten Kandidaten. Jochen Flackus ist ein vernünftiger Mann, der im Landtag für eine linke Oppositionsfraktion den richtigen Ton trifft und in seinem Berufsleben unter Beweis gestellt hat, dass er imstande ist, Verantwortung zu übernehmen. Das kann man weiß Gott nicht von jedem behaupten, der sich in dieser Partei tummelt. Einer Partei, in der der Anteil von Glücksrittern und Prozesshanseln überproportional hoch ist.

Flackus ist die letzte Patrone der Saar-Linken. Wenn sie nicht ins Ziel trifft, war es das. Dann versinkt die Partei vollends im Chaos. Was aber macht diese Partei? Ihre Delegierten watschen den einzigen Hoffnungsträger mit 62 Prozent der Stimmen ab. Ein überzeugender Neustart ist das nicht.

Man kann Oskar Lafontaine verstehen, dass er sich von so etwas fernhält – in einer Partei, in der es für eine starke Minderheit mittlerweile ein Makel ist, von ihm unterstützt zu werden. Das hatte er 2007 sicherlich anders geplant.

In den vergangenen Wochen ist viel von staatspolitischer Verantwortung die Rede gewesen. Die gibt es auch für die Linke im Saarland. In Zeiten einer großen Koalition im Land hat diese Partei die Verantwortung, eine programmatische und personelle Alternative anzubieten. Aber regierungsfähig ist die Linke derzeit nicht, man kann nur drei Kreuze machen, dass es bei der Landtagswahl nicht für Rot-Rot gereicht hat.

Jochen Flackus ist zuzutrauen, dass er aus der Linken wieder eine ernst zu nehmende Partei macht. Aber dazu müssten die Irrationalität und die atemberaubende Lust vieler Mitglieder am Untergang der eigenen Partei ein Ende haben.