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Leitartikel: Politik im Saarland zeigt gegen Corona Weitsicht

Leitartikel : Die Saar-Politik beweist bei Corona Weitsicht

Die Saar-Regierung hat weitreichende Enschränkungen zur Eindämmung der Coroan-Krise beschlossen. Zur Recht.

An diesen 11. März wird man sich im Saarland lange erinnern. Wer bisher glaubte, die Corona-Krise bleibe eines jener großen News-Themen, die am Land vorbeigehen, dem muss seit gestern klar sein: Kaum ein Ereignis der vergangenen Jahrzehnte wird so in den Alltag der Menschen eingreifen wie der Kampf gegen die Ausbreitung von Covid-19. Einer Krankheit, die den meisten Saarländern kaum gefährlich wird. Keine Terror-Warnung, kein internationaler Konflikt, auch nicht die Finanzkrise vor zwölf Jahren hatten derart einschneidende Konsequenzen, wie sie am Mittwoch von Gesundheitsministerin Monika Bachmann im saarländischen Landtag verkündet und durch die Entwicklung in Lothringen noch verschärft wurden. Vor wenigen Tagen ging es nur um ein paar Geisterspiele in Fußballstadien und besseres Händewaschen, jetzt drohen öffentliches Leben und Wirtschaft im Saarland teilweise zum Erliegen zu kommen. Schon bislang berichteten viele Saar-Unternehmen von schweren Einbußen durch Covid-19. Aber da waren Ausfälle von Arbeitnehmern und Kunden aus der Krisenregion Grand Est noch gar nicht eingerechnet.

Klar ist: Das Coranavirus richtet im Saarland riesige Schäden an, ohne dass dort bisher ein Mensch an der Krankheit gestorben ist. Auch die Zahl von bis gestern Abend 22 Infizierten allein rechtfertigt zunächst nicht, so einschneidend ins öffentliche Leben einzugreifen. Dennoch sind die Schritte richtig. Was passiert, wenn zu spät reagiert wird, zeigt Norditalien, wo schon jetzt die Intensivbetten nicht reichen, jenen vor allem älteren Menschen zu helfen, deren Leben das Virus bedroht. Die Zahl der Infizierten steigt exponentiell. In Italien sind schon über 12 000 Menschen betroffen. Vor zwei Wochen waren es rund 500. Was die Saar-Regierung nun tut, folgt der Linie im Bund: Zeit gewinnen und die Kurve der Covid-19-Neuinfektionen so abflachen, dass das Gesundheitssystem am Höhepunkt der Krise nicht zusammenbricht. Sie tut dies vor allem für Alte und Vorerkrankte. Es ist wie bei der Impfdebatte: Das Verhalten jedes Einzelnen betrifft die Gesundheit anderer. Gemeinsinn ist gefragt.

Keine Einzelmaßnahme kann das Virus ganz stoppen – und nicht alles ist verhältnismäßig. Dass wegen der Fälle im Südelsass auch Lothringen als Risikogebiet gilt, ist diskussionswürdig. Die Konsequenzen daraus für Saar-Schulen, Kindergärten und Betriebe können weitreichend sein.  Allerdings ist es sonst eher umgekehrt: Die Politik tut sich oft schwer, unbequeme Entscheidungen zur Abwehr künftiger, noch nicht spürbarer Probleme zu treffen. Die Erderwärmung zeigt, wie fundierte Prognosen ignoriert werden, wenn der politische Preis für eine angemessene Reaktion zu groß ist. „I want you to panic“ (ich will, dass ihr panisch werdet) hat die Klimaaktivistin Greta Thunberg gerufen, damit Politik wissenschaftliche Erkenntnisse zur Erderwärmung nicht ignoriert. Bei der Coronakrise immerhin hat die Politik nun auch im Saarland gezeigt, dass sie entschlossen handeln kann, bevor eine Entwicklung sichtbaren Schaden anrichtet. Ohne Panik. Das bleibt bislang als positive Erkenntnis dieser Krise.