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Laschet, Merz oder Röttgen - Rennen um CDU-Vorsitz nimmt wieder Fahrt auf

Vorstandswahl erst im Dezember : CDU-Kandidaten drängen wieder ins Rampenlicht

Wenn man CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer danach fragt, dann betont sie, dass sie erstens ihren angekündigten Rücktritt im Nachhinein nicht bedauert und zweitens in Corona-Zeiten die Frage nach ihrem Nachfolger niemanden ernsthaft interessiert.

Das war zu Beginn der Krise auch so. Doch inzwischen verdichten sich die Anzeichen, dass das Kandidatenrennen wieder an Fahrt gewinnt.

Klar, die Saarländerin hätte im Februar das Thüringer CDU-Desaster rund um die Wahl eines Ministerpräsidenten mit Hilfe der AfD nur in Helmut-Kohl-Manier aussitzen müssen. Heute stünde AKK ganz anders da – hohe Umfragewerte für die Union, keine Kritik mehr an ihren Führungsqualitäten, möglicherweise immer noch im Rennen um die Kanzlerkandidatur. Doch das konnte sie vor drei Monaten nicht ahnen. Ähnlich wie über eine fünfte Amtszeit der Kanzlerin wird in Berlin gerne darüber spekuliert, ob Kramp-Karrenbauer nicht den Rücktritt vom Rücktritt wagt. Doch ist dies genauso absurd wie die Vorstellung, Merkel könne ihren angekündigten Abgang verschieben. So groß ist die Sehnsucht nach beiden Akteurinnen in der Partei und darüber hinaus  nicht. Das weiß Merkel, das weiß AKK.

Wegen Corona wird also erst der ordentliche Parteitag im Dezember Klarheit darüber schaffen, wer die CDU in welche Richtung führen wird. Es gilt sogar, die vermutlich letzte Volkspartei in Deutschland zu retten. Eine gewaltige Aufgabe, die nicht dadurch kleiner wird, dass die Demoskopen der Union wieder um die 40 Prozent bescheinigen. Das ist nur eine Momentaufnahme, resultierend aus dem weithin akzeptierten Corona-Management der Regierung. Der nächste CDU-Vorsitzende muss die Partei 2021 zum Wahlsieg führen – voraussichtlich auch als Aspirant auf die Nachfolge Merkels. Falls die Rufe nach CSU-Chef Markus Söder dann nicht so laut sind, dass der Bayer selbst nach der Kanzlerkandidatur greift. Ausgeschlossen ist das nicht. Denn er gilt als Favorit vieler Unions-Konservativer.

Die drei Kandidaten für den CDU-Vorsitz drängeln sich jedenfalls zurück ins Rampenlicht, wobei das für NRW-Ministerpräsident Armin Laschet nicht ganz richtig ist. Er war als Corona-Krisenmanager und Gegenspieler Söders in der Frage der Lockerungen nie runter von der Bühne. Nicht immer hat Laschet eine gute Figur gemacht. Doch liegt er am Ende mit seinem Kurs richtig, ist das für ihn ein Etappensieg auf dem Weg an die Parteispitze und ins Kanzleramt. Der Außenpolitiker Norbert Röttgen wiederum versucht sich derzeit stark abzugrenzen. Die außenpolitischen Verwerfungen der Corona-Krise dürften wohl erst in den kommenden Wochen zu einem großen Thema werden. Das könnte dann Röttgens Chance werden.

Der Vorteil vom Dritten im Bunde, Friedrich Merz, besteht darin, dass es im Wahljahr 2021 vor allem um Wirtschaft gehen wird. Sein Metier. Die Corona-Folgen werden riesig und schwierig zu bewältigen sein. Eine echte Herausforderung. Allerdings dann für jeden neuen CDU-Chef und Kanzlerkandidaten.