Kommentar zur Reform im Bistum Trier

Reform im Bistum Trier : Bischöfliches Vabanque-Spiel

Das Ergebnis der von der Initiative Kirchengemeinde vor Ort in Auftrag gegebenen Umfrage kann kaum überraschen. Demnach sieht mehr als die Hälfte der befragten Katholiken die geplante Strukturreform im Bistum Trier kritisch.

Das liegt zum einen natürlich daran, dass die Auftraggeber die Reform ablehnen. Da wäre es doch verwunderlich gewesen, wenn die Initiative am Ende selbst das Ergebnis hätte präsentieren müssen, dass die Bistumspläne einer Mehrheit der Katholiken gleichgültig sind oder die Gläubigen diese sogar mehrheitlich befürworten.

Mit einem solchen Ausgang war aber nicht zu rechnen. Schon bei der vorausgegangenen Anhörung der Geistlichen und kirchlichen Gremien kam ein aus Sicht des Bistums mehr als besorgniserregendes Ergebnis heraus: Ausgerechnet bei den Priestern im Bistum, die ihrem Bischof ja Gehorsam gelobt haben, stoßen die Umstrukturierungspläne auf überdurchschnittlich große Abneigung. Wie sollen angesichts eines solchen Ergebnisses die Gläubigen hoffnungsfroh und voller Zuversicht in die Zukunft blicken? Von daher war es absehbar, dass eine deutliche Mehrheit die Strukturreform ablehnt und viele ehrenamtlich engagierte Katholiken auch künftig nicht mehr mitarbeiten möchten.

Und dennoch: Man muss kein Prophet sein, um vorauszusagen, dass Bischof Stephan Ackermann die von ihm angestoßene Reform nicht mehr stoppen wird. Sie ist, zumindest was die Implementierung der XXL-Pfarreien angeht, längst auf der Zielgeraden – allen vorausgegangenen Protesten und den womöglich noch folgenden zum Trotz. In knapp drei Monaten werden die ersten 15 Pfarreien der Zukunft, wie die Großkirchengemeinden von den Initiatoren hoffnungsfroh genannt werden, an den Start gehen. Das ist sicher.

Alles Weitere aber ist ungewiss. Natürlich wird es bei der Umsetzung der Reform Anlaufschwierigkeiten geben. Die gibt es bei jeder Reform, und die gibt es immer, wenn Einheiten und Personen zusammengewürfelt werden, die zuvor recht autonom gewerkelt haben.

Entscheidend wird sein, ob die Kirche in den neuen Strukturen wieder das Vertrauen und die Glaubwürdigkeit zurückgewinnen kann, die sie gerade in den Jahren seit Bekanntwerden des Missbrauchsskandals verspielt hat. Das ist eine Herkulesaufgabe. Es wäre schon schwierig in den bisherigen, kleinräumigen Strukturen, in den künftigen Großpfarreien wird es aber umso schwieriger. Zu groß ist in diesen riesigen Einheiten die Gefahr, dass die weit entfernt gelegene Zentrale gar nicht mehr mitbekommt, wie die Gläubigen vor Ort eigentlich ticken und was sie bewegt.

Es ist ein riskantes Spiel, auf das sich der Trierer Bischof mit seiner Radikalreform eingelassen hat. Er muss beten, dass die Strukturreform der Aufbruch ist, den er sich davon verspricht, und nicht Abbruch, wie die Kritiker befürchten. Unterm Strich geht es um die Zukunft der Kirche im Bistum – und um die Zukunft Stephan Ackermanns.

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