Kommentar zum Deutschlandtag der Jungen Union: Kramp-Karrenbauer muss noch besser werden

Kommentar : Lob und Tadel für Kramp-Karrenbauer

Das ist noch einmal halbwegs gutgegangen für die CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer. Sie hat auf dem Deutschlandtag der eher konservativen Jungen Union den richtigen Ton getroffen und erfolgreich Schadensbegrenzung betrieben.

Doch das darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Parteivorsitzende mächtig angeschlagen ist.

Allen Beteuerungen des Parteinachwuchses zum Trotz: Der in Saarbrücken verabschiedete Antrag zur Urwahl des Kanzlerkandidaten ist ein Affront gegen Kramp-Karrenbauer. Denn in der CDU ist es eigentlich seit eh und je selbstverständlich, dass der Parteichef – in diesem Fall die Parteichefin – das erste Zugriffsrecht auf die Kanzlerkandidatur hat. Wenn die Junge Union das in der jetzigen Situation Frage stellt, beschädigt sie die zuletzt vielkritisierte CDU-Chefin zusätzlich – zumal sich diese zuvor ausdrücklich gegen eine Urwahl ausgesprochen hat. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass die vom Parteinachwuchs vorgebrachten Argumente berechtigt sind: Mehr Basisdemokratie würde der Union in der Tat gut tun.

Wie wenig selbstverständlich eine Kanzlerkandidatur Kramp-Karrenbauers ist, zeigten die Reaktionen auf den Auftritt ihres Rivalen Friedrich Merz. Der Ex-Fraktionschef, der schon lange kein hohes Amt in der Partei mehr bekleidet und sich 2018 als Hoffnungsträger zurückgemeldet hat, kann frei aufspielen. Und das tat er beim Deutschlandtag mit einer sehr starken Rede. Allenfalls beim Frontalangriff gegen CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak schoss er über das Ziel hinaus. So etwas kommt nicht gut an in der Union. Der Parteinachwuchs feierte ihn dennoch euphorisch mit Jubelgesängen. Noch ein Affront gegen Kramp-Karrenbauer.

Die CDU-Chefin muss mächtig aufpassen. Sie darf sich keine Fehler mehr erlauben, will sie die Nachfolge von Angela Merkel im Kanzleramt antreten. Und sie muss noch besser werden als am Sonntag in Saarbrücken. Denn so gut ihre Rede auch war, ihr Auftritt in der anschließenden Fragerunde war es nicht. Auf Kritik an ihrer Person ging sie nur zum Teil ein. Zwar lieferte sie eine halbwegs überzeugende Begründung für ihren überraschenden Eintritt ins Kabinett. Doch konnte sie ihren Kritikern von der JU nicht erklären, warum sie noch kurz vor ihrer Vereidigung als Verteidigungsministerin ausdrücklich beteuert hatte, sich allein auf das Amt der CDU-Vorsitzenden konzentrieren zu wollen.

Das alles hat etwas mit Glaubwürdigkeit zu tun. Und die ist in Zeiten, in der Politikern zunehmend Misstrauen entgegenschlägt, wichtiger denn je. Wenn Kramp-Karrenbauer das beherzigt, an ihrer Kommunikationsfähigkeit arbeitet und weitere Pannen vermeidet, ist sie weiterhin im Rennen um die Kanzlerschaft. Denn auch nach diesem schwierigen Wochenende bleibt eine gute Nachricht für die CDU-Chefin: Ältere Parteimitglieder sind weniger begeistert von einer Urwahl. Es ist unwahrscheinlich, dass der Antrag der Jungen Union eine Mehrheit beim CDU-Parteitag bekommt.