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Kommentar zu Hacker-Angiffen: Ziel ist die Demokratie

Leitartikel : Hacker machen das Private zur Waffe gegen Demokratie

Von wegen, von der massenhaften Veröffentlichung gehackter Dateien im Netz seien keine sensiblen Daten betroffen, wie die Bundesregierung erklärte. Zwar sind keine wichtigen Regierungsdokumente geklaut worden.

Aber was da jetzt im Netz kursiert, ist noch viel heikler – und das nicht nur für die Betroffenen. Zum Beispiel steht da, was Robert Habecks Sohn seinem Vater sehr vertraut geschrieben hat, wo Sigmar Gabriel wohnt, welchen Kontostand einzelne Abgeordnete haben und was Jan Böhmermann im Urlaub fotografierte.

Hier werden die letzten Grenzen der Auseinandersetzung bewusst übertreten. Vom Politischen ins Private. Es geht nicht mehr um Meinungen. Nicht um Mehrheiten. Es geht um – und gegen – Personen. Mit ihrem ganzen Umfeld. Das ist eine unverhohlene Drohung gegen die Repräsentanten der Demokratie. Und damit gegen die Demokratie selbst. Es ist wahrscheinlich, dass rechte Aktivisten die Urheber sind. Oder aber ausländische Akteure, vielleicht aus Russland. Von dort ist das Leaken und das Verbreiten von Fake-News als Mittel des politischen Kampfes in die Arenen der Demokratie gebracht worden. Nun wird mit aller Hemmungslosigkeit auch in Deutschland damit gespielt.

Spätestens jetzt muss in allen Parteien der leichtfertige Umgang mit vertraulichen Daten ein Ende haben. Jeder, der in der Politik tätig ist, auch in der zweiten und dritten Reihe, muss begreifen, dass er im Fadenkreuz der Demokratiefeinde arbeitet und sich entsprechend verhalten. Es ist unfassbar, wie schwach offenbar viele Passwörter noch sind. Große Unbedarftheit gibt es aber offenbar auch bei den Sicherheitsbehörden. Da findet einen Monat lang ein solches Datenleck statt, Tag für Tag, über einen Account mit 17 000 Followern. Und die Experten im Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik bekommen davon nichts mit. Erst als das fast schon altertümliche Medium Radio berichtet, wacht die angeblich hypermoderne deutsche Cyber-Abwehr auf. Das darf nicht der Stand der Abwehrbereitschaft bleiben.

Die wichtigste Konsequenz aber lautet: Rüstet ab in der Politik. Bei den Argumenten und bei den eingesetzten Mitteln. Vor allem die AfD hat in den sozialen Medien die politischen Gegner systematisch verunglimpft und gegen Flüchtlinge gehetzt. Sie ist als einzige vom aktuellen Leak nicht betroffen. In der rechten Szene kursieren die Informationen rege, die klammheimliche Freude dort ist unübersehbar. Andererseits ist die AfD selbst auch schon Opfer ähnlicher Methoden geworden. Alle Seiten müssen begreifen: Wenn die politische Auseinandersetzung so weiter betrieben wird, wird sie nicht im Guten enden.

Verantwortung haben in dieser Situation auch die Medien. Solche illegal erhobenen, privaten Daten gehören in den Redaktionen sofort gelöscht, nicht verbreitet. Wer, wie die „Bild“-Zeitung, nun verkündet, man werde sich das alles genau ansehen und später über eventuelle Veröffentlichungen entscheiden, bedroht die Betroffenen auch. Mit welchem Ziel eigentlich?