K-Frage um AKK: Der Machtpoker in der Union hat begonnen

Leitartikel : Der Machtpoker in der Union hat begonnen

Die Diskussion über die Kanzlerkandidatur der Union ist das Ergebnis eines Macht-Vakuums, das in der CDU entstanden ist. Denn so ist Politik: Wer Schwächen zeigt, wird in Frage gestellt. Anfänglich nicht offen, eher verdeckt.

Bei Annegret Kamp-Karrenbauer ist das im Moment der Fall. Die Pannenserie der CDU-Vorsitzenden, das Abschneiden der Union bei der Europawahl und der Höhenflug der Grünen haben die Türen zur K-Debatte weit geöffnet und jene bestärkt, die AKK gegenüber schon immer kritisch gesinnt waren. Wie das Merz-Lager oder die Werte-Union.

Zugleich werden allerdings auch die lauter, die lange Zeit vor allem Kramp-Karrenbauers Stärken im Blick hatten und sich nun plötzlich auf Bundesebene mit den Schwächen der Saarländerin konfrontiert sehen. Genau dieser Umstand ist gefährlich für die CDU-Chefin. Ihre Gegner sind bis dato bekannt und berechenbar gewesen, doch wenn politische Unterstützer Zweifel hegen, über personelle Alternativen nachdenken oder sich sogar selbst für eine solche halten, dann könnte das der Anfang vom politischen Ende der AKK sein.

Ganz so dramatisch ist es freilich noch nicht. Die CDU-Vorsitzende kann sich immer noch aus eigener Kraft aus dem entstandenen Schlamassel befreien. Indem sie sagt, was sie will und wofür sie steht; indem sie präziser und prägnanter wird und inhaltliches Abdriften vermeidet. Derzeit erscheint AKK doch eher diffus und unsicher. Dass sie es besser kann, hat sie auf dem hart umkämpften Weg zum Parteivorsitz gezeigt. Entdeckt sie ihre Qualitäten wieder, wird die Debatte über die Kanzlerkandidatur vielleicht nicht verstummen, aber sicherlich weniger gegen sie laufen. Dass übrigens der Fraktionschef Ralph Brinkhaus sie zum jetzigen Zeitpunkt schon zur Kandidatin ausgerufen hat, kann AKK nicht erfreuen. Das ist angesichts der Lage der Union eher kontraproduktiv denn hilfreich.

An einen Selbstläufer in der K-Frage darf man sowieso nicht glauben. Wer das tut, hat verloren. Selbst wenn die Koalition jetzt auseinanderbrechen würde, liefe es schon nicht mehr automatisch auf AKK zu. Sie müsste noch viel neue Überzeugungsarbeit leisten. Überdies gibt es in der Union tatsächlich veritable Gegenspieler, die sich den Kanzler-Job offenbar zutrauen und deren taktische Raffinesse man im begonnenen Machtpoker nicht unterschätzen darf. Gesundheitsminister Jens Spahn und NRW-Ministerpräsident Armin Laschet zum Beispiel. Daniel Günther aus Schleswig-Holstein gehört ebenso dazu. Sie lauern. Und sie haben gegenüber AKK einen wichtigen Vorteil: Sie regieren und können entscheiden, während Kramp-Karrenbauer sich mit den Mühen der Ebene herumplagen muss, ohne de facto viel zu bewegen.

Es zeigt sich daher immer mehr, dass es ein Fehler ist, nicht ins Kabinett zu gehen. Und dass es schwieriger als gedacht ist, den Übergang einer Kanzlerschaft zu organisieren, wenn die eine das Amt zwar will, die andere es aber so lange wie möglich behalten möchte.

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