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Die Corona-Krise und das Versagen der Mächtigen

Trump, Johnson, Merkel : Die Corona-Krise und das Versagen der Mächtigen

Ende Februar sagte US-Präsident Donald Trump, das Coronavirus sei „sehr gut unter Kontrolle“. Am vergangenen Freitag rief er den nationalen Notstand aus, wies indes jede Verantwortung für die Misere zurück.

Der US-Präsident steht damit stellvertretend für all jene Versager, die sich frühzeitig gegen die Meinungen von Experten immun erklärten und erst einmal auf Abwarten und Inaktivität setzten. Eine für manche am Virus erkrankte Menschen tödliche Strategie.

Schon seit Wochen ist bekannt, welche Mischung am besten gegen eine Weiterverbreitung des Coronavirus hiflt: Möglichst weit gefächerte Tests, freiwillige und verordnete Isolierungen, das Unterbinden des Reiseverkehrs aus stark betroffenen Ländern. Das Verbot von Massen-Veranstaltungen und die temporäre Einstellung des Schul- und Kita-Betriebs. Das rechtzeitige Vorbereiten der Krankenhäuser auf den Massenansturm von schwer Erkrankten, wie er nun in Italien, Spanien und Frankreich zu sehen ist. Nicht nur Trump ist an dieser Herausforderung gescheitert, obwohl es ja mit China oder Südkorea brauchbare Blaupausen für den Umgang mit dem Virus gibt. Sollte es den US-Präsidenten im November sein Amt kosten, hat dieses katastrophale Handeln dazu beigetragen.

Fast schon irrwitzig ist aber auch, wie die britische Regierung bisher auf das Virus reagiert hat. Auch hier wurden seriöse Wissenschaftler viel zu lange ignoriert. Stattdessen hofften Boris Johnson und Co. lange wohl – obwohl sie es nun dementieren – aufgrund des schlechten Gesundheitssystems in Großbritannien auf eine „kollektive Immunisierung“ der Bevölkerung durch möglichst viele Erkrankte. Aber haben sie nicht mitbekommen, dass Coronavirus-Patienten nach einer Genesung erneut erkranken können? Und symptomatischen Menschen zu empfehlen, lediglich eine Woche zu Hause zu bleiben, grenzt schon an versuchte Körperverletzung für andere Bürger. Keine Frage also, dass auch Johnson weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben ist, die die Bevölkerung an ihre gewählten Leitfiguren hat.

Dieses Fazit drängt sich auch für die Lage in Deutschland auf. Bis Sonntag gab es einen Flickenteppich verschiedener Maßnahmen quer durch die Republik. Manche Bundesländer entschuldigen ihr wochenlang schleppendes Handeln mit dem Hinweis auf mangelnde Vorgaben aus Berlin. Das ist bequem, aber auch nachvollziehbar. Denn gerade die Kanzlerin hat die Krise viel zu lange ausgesessen. Und sich dann – von der öffentlichen Meinung gedrängt – erst spät zu Wort gemeldet. Die am Sonntag verkündeten strengeren Regeln an den Grenzen kommen spät, auch wenn sie einen ersten guten Ansatz bieten. Eine Koordination der Anti-Corona-Maßnahmen auf europäischer Ebene hat zudem Berlin, das sich ja so gerne als EU-Führungsmacht sieht, nicht zustande gebracht. Und damit ist klar geworden, dass auch Angela Merkel neben Donald Trump und Boris Johnson zu jenen zählt, die an einer der größten Herausforderungen ihrer politischen Karriere gescheitert sind.