Der Fall Thomas Cook zeigt: Mehr Rechte für Verbraucher sind nötig

Pleite von Thomas Cook : Urlauber brauchen mehr Schutz

Erst vor zwei Jahren flog Air Berlin in die Pleite, im vergangenen Frühjahr die Fluggesellschaft Germania, und nun hat es mit Thomas Cook sogar einen weitverzweigten Reisekonzern erwischt. Der Massentourismus frisst seine Kinder.

Einmal mehr womöglich auch in Deutschland. Denn wer zum Beispiel mit Neckermann oder Bucher Urlaub macht, dem muss sich beim Anschauen seiner Reiseunterlagen nicht sofort erschließen, dass Thomas Cook dahintersteckt. Entsprechend dürften viel Urlauber gestern auch geschockt gewesen sein, als sie feststellen mussten, dass die „schönsten Tage des Jahres“ nur noch ein Albtraum sind.

Die Verunsicherung ist auch deshalb groß, weil Thomas Cook zu den Großen der Branche zählte. Offenkundig macht der gnadenlose Wettbewerb in der Tourismusbranche auch vor den Platzhirschen nicht mehr halt. Und wieder einmal soll es der Staat richten. Das Auswärtige Amt hat gestrandeten deutschen Urlaubern Unterstützung zugesagt. Und auch über einen Zwischenkredit für die Thomas-Cook-Tochter Condor wurde gestern diskutiert. Air Berlin war ja ebenfalls mit Steuergeldern geholfen worden. Und immerhin wurde das Geld auch zurückgezahlt. Kann man alles machen. Der Fall sollte aber für die Politik Anlass sein, grundsätzlich über eine Stärkung der Verbraucherrechte nachzudenken. Denn hier hat die Bundesregierung ihre Hausaufgaben eher schlecht gemacht.

Laut EU-Recht muss die Absicherung eines Reiseanbieters gegen Insolvenz einen wirksamen Schutz für die Konsumenten bieten. Die einzelnen Mitgliedstaaten sind unterschiedliche Wege gegangen, um diese Vorgabe mit Leben zu erfüllen. Deutschland hat sich für eine Versicherungslösung entschieden, den mindestens erforderlichen Absicherungsbetrag pro Reiseveranstalter jedoch bei 110 Millionen Euro gedeckelt. Für kleinere Anbieter mag das noch angehen. Bei einem Branchenschwergewicht wie Thomas Cook ist jedoch ungewiss, ob der Betrag im Falle einer Pleite ausreicht, alle Ansprüche zu begleichen. Dabei sind Pauschalurlauber noch verhältnismäßig gut dran. Während sie beispielsweise bei der Insolvenz ihrer Airline abgesichert sind, fehlt ein entsprechender Schutz für jene, die ihre Tickets direkt bei der Fluggesellschaft gekauft haben. Auch das beklagen Verbraucherschutzorganisationen schon seit Jahren. Aber entscheidend zum Besseren hat sich nichts gewendet.

Natürlich kann man auch den Massentourismus beklagen. Für viele Menschen ist es schick geworden, gleich mehrmals im Jahr irgendwohin zu reisen, Flug und Hotel inklusive. Aber verbieten lässt sich das nicht. Höchstens eindämmen. Durch deutlich teurere Flugtickets zum Beispiel oder die Einführung von Mindeststandards bei der Qualität, die alle Reiseanbieter einhalten müssen. Würden sämtliche Kosten von den Umweltlasten bis zum Insolvenzrisiko realistisch in den Reisepreis eingerechnet, wäre viel gewonnen. Es wäre auch ganz im Sinne eines umfassenden Verbraucherschutzes.

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