SZ-Glosse: Wir schenken uns nichts

Von wegen Verzicht : Wir schenken uns nichts

Es klingt so harmlos: Jeder fünfte Deutsche will Weihnachten nichts verschenken, besagt eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Insa. Aber der Kenner weiß: Damit geht das Drama erst los. So gehört ein gefühltes Drittel davon vermutlich zu den Trickbetrügern der Masche: „Wir schenken uns nichts.“ Damit soll vor allem der Partner glauben, er müsse nichts kaufen – und dann wird er doch so reich beschenkt, dass sein Schuldgefühl für immer nutzbar ist.

Ein weiteres Drittel will vermutlich einfach nur nichts geschenkt bekommen und hält sich aus Angst vor den geschmacklosen Präsenten der Mitmenschen zurück. Und ein weiteres Drittel fürchtet jetzt noch den Einkaufsstress, stürzt sich dann aber kurz vor Weihnachten doch todesmutig ins Getümmel und kauft alles, was nicht bei drei in anderen Tüten ist.

Dafür wird gefühlt ein Achtel der bislang schenkwütigen vier Fünftel am Ende nichts finden und so tun, als sei die gemeinsame Zeit das größte Geschenk. Was neun Zehntel nur vortäuschen. Und jetzt bloß nicht nachrechnen. Das Denken nämlich wird auf Präsente angerechnet, denn man kann es sich schenken.