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SZ-Glosse: Statussymbol Klopapier

Statussymbol Klopapier : Auf die Rollen kommt es an

Papier ist tot, hieß es lange von Verfechtern des Digitalen. Aber dabei unterschätzten sie das Wertvollste aller Papiere, das durch kein Tablet ersetzt werden kann: das Toilettenpapier.

Lange Zeit wurde über diesen Hygieneartikel schamhaft geschwiegen. Manche fanden es gar peinlich, wenn andere sie damit beim Einkaufen sahen – als könnten sie vortäuschen, dass sie allein bestimmte körperliche Vorgänge vornehm vermeiden. Doch jetzt ist alles anders. Klopapier ist das neue Statussymbol. Statt auf „mein Auto, mein Haus, mein Boot“ verweist ein Angeber heute auf seine Klopapiervorräte. Sogar Promis erwähnen, wie viel sie noch zu Hause haben. Vielschichtig ist also inzwischen nicht der Mensch selbst, sondern sein Viellagiges. Und wer zahlreiche Rollen beherrscht, ist nicht unbedingt Schauspieler, sondern möglicherweise nur Hamsterkäufer.

Es könnte also sein, dass sich der Trend zum Tabu dramatisch umdreht und bald nur noch über Toilettenpapier gesprochen wird. Auf jeden Fall sollten Zuhörer derzeit sehr skeptisch sein, wenn jemand ihnen großspurig erklärt, er habe etwas zu Papier gebracht. Es ist vielleicht gar kein Roman.