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SZ-Glosse: Französische Bettwanzen

Französische Bettwanzen : Der Stich, das bin ich

Die Lage ist dramatisch. In einem Bereich, wo den Franzosen einst besondere Talente nachgesagt wurden, wird es nun für sie sehr ungemütlich: im Bett. Wo sich nämlich in der guten alten Zeit nur der Charmeur an sein Opfer heranwanzte, regiert jetzt die Bettwanze und piesackt alle.

Kein Wunder also, dass der Wohnungsbauminister zu diesem Staatsproblem einräumte: „Die Franzosen sind hilflos.“

Möglicherweise gilt also Paris bald nicht mehr als Stadt der Liebe, sondern als Stadt der Wanze – ein großer Abstieg im Charme-Ranking. Und das Tier könnte sogar in absolutistischem Größenwahn denken: „Der Stich, das bin ich.“ Was also ist zu tun?

Denkbar wäre natürlich, das Ausland um Hilfe zu bitten. So haben Russland oder China gerüchteweise große Wanzen-Erfahrung, vor allem mit solchen, die gar keinen Juckreiz verursachen. Doch eigentlich muss die Grande Nation selbst handeln. So könnte es helfen, wenn Kammerjäger den Bettwanzen ein paar Rentenreformen als Chanson vorsingen. Denn dann können auch gute französische Bettwanzen vermutlich nicht anders: Sie müssen raus – und auf die Barrikaden.