Glosse : Allzeit gestresst

Es hört einfach niemals auf mit dem Stress. Da fällt in der Pandemie für viele nun Pendelstress, Kollegenstress und Freizeitstress weg. Und was haben sie stattdessen? Technostress!

Als solchen bezeichnen manche Experten allerdings nicht den Umgang mit Techno-liebenden Nachbarn (Wummerstress) oder mit nicht funktionierender Technik (Geht-nicht-Stress). Sondern bereits die Tatsache, dass Menschen nun ständig mit Technik umgeben sind, auch um reale Kontakte nachzuahmen. Das zu verstehen, erzeugt bereits Verständnis-Stress. Denn folgerichtig müssten ja auch Geschirrspüler und Waschmaschinen stressen, die die Reinigung per Hand ersetzen. Sensible Gemüter könnten sich womöglich unter Druck gesetzt fühlen, wenn diese Maschinen fleißige Spülgeräusche von sich geben, sie selbst aber untätig sind.

Gerade im Nichtstun verbirgt sich ein enormes Stresspotenzial. Denn worüber lässt sich dann jammern? Ach, dieser Zustand könnte bald schon in schönstem Denglisch Stressless-Stress heißen. Aber lieber nicht darauf warten. Das erzeugt ganz schlimmen Wartestress.