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Kolumne Berliner Notizen: Auf Abstand zu Peter Altmaier

Kolumne: Berliner Notizen : Bundestag nicht mehr zum Anfassen

Corona schafft Abstand und neue Koalitionen im Bundestag.

Peter Altmaier hatte am Donnerstag Geburtstag. Der Bundeswirtschaftsminister aus dem Saarland wurde 62. Im Bundestag gratulierten ihm einige Redner, auch Hansjörg Müller. Der AfD-Mann zog sich freilich einen Rüffel von Parlamentsvize Wolfgang Kubicki zu. Denn Müller meinte zu Altmaier: „Alles Gute. Und selbstverständlich werde ich Sie deswegen etwas weicher anfassen als sonst.“ Worauf Kubicki intervenierte: „Anfassen schließen wir aus wegen der Infektionsgefahr, die damit verbunden sein kann.“ Gelächter im Hohen Hause.

Das Virus macht dem Bundestag weiter zu schaffen. Mitunter musste der Präsident wieder meckern, weil Abstände nicht eingehalten wurden. Man sah sogar Parlamentarier, die sich regelrecht versteckten, um nicht ertappt zu werden. Einen Ringelpiez gab es zudem bei den Sälen – wegen des Abstandsgebots tagten die Fraktionen von SPD und Union nacheinander im Plenarsaal. Die FDP zog hingegen bei der Union und die Linke bei der SPD ein. Wenn das nicht Vorboten für künftige Koalitionen sind.

Ralpf Brinkhaus trug bei der Regierungserklärung der Kanzlerin im Bundestag eine Maske. Er war fast der einzige im Plenum. Nun gilt der Unionsfraktionschef als vorsichtig, er hält die Hygieneregeln ein. Die Maske war diesmal aber ein Zeichen der Solidarität, wie seine Sprecherin auf Anfrage mitteilte. Und zwar mit den Menschen rund um Gütersloh, die nun unter den Folgen des Corona-Ausbruchs in einem Schlachtbetrieb leiden. Gütersloh ist der Wahlkreis von Brinkhaus.

Apropos Maske – wer als Politiker etwas auf sich hält, trägt einen lokalpatriotischen Mund-Nase-Schutz. Bei der Ministerpräsidentenkonferenz konnte man das gut beobachten. Bayerns Regierungschef Markus Söder kam wie immer in weiß-blau, NRW-Landesvater Armin Laschet hatte das Wappen seines Bundeslandes vorne drauf. Und so weiter. Am Rande des Treffens war zu hören, woher diese extravaganten Masken oft kommen – sie sind Geschenke von Unternehmen oder Privatleuten.