Glosse: Weihnachten wird zum Gutschein-Fest

Das neue Weihnachten : Fest der Gutscheine

Noch ist es nicht einmal erster Advent, aber viele machen sich offenbar schon Gedanken über Geschenke – und planen bereits jetzt: Ich schenke einen Gutschein. Zumindest einer Umfrage hat das jeder Zweite vor, dem schon mal nichts Besseres einfiel.

Und wenn man dann hochrechnet, wie viele in letzter Minute aus Verzweiflung noch zum Gutschein greifen werden, lässt sich die Prognose wagen: Weihnachten ist ein Gutschein-Fest geworden. Und tatsächlich erfüllt ja der Gutschein viele moderne Wünsche: Bloß nichts falsch machen (Schenkender), sich nicht gleich festlegen müssen (Beschenkter) und wird doch nie eingelöst (Geschäft). Auch der Gabentisch wird mit Gutscheinen deutlich verschlankt, die Verpackungsflut eingedämmt, der Weihnachtsbaum kommt besser zur Geltung. Insofern ist der Gutschein also ein Gutschein für eine bessere Welt – mit Einlösung bis zur Apokalypse.

Na gut, sehr fantasievoll ist das gegenseitige Überreichen von Gutscheinen nicht mehr – und manche mögen sogar zweifeln, ob Weihnachten dann noch das Fest der Liebe ist. Aber ein Gutschein für Liebe reicht heute vielleicht auch.

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