Glosse : Tag des Nasebohrens

Viele Veranstaltungen müssen in diesem Jahr ausfallen. Doch ein kulturell wertvoller Gedenktag wird davon offenbar nicht getrübt: der heutige Tag des Nasebohrens.

Das erstaunt ein wenig. Gilt dieser Vorgang doch nicht nur als unfein und Knigge-inkompatibel, sondern auch als besonders riskant in Pandemie-Zeiten. Zwar können sich Menschen damit auch zu Hause beschäftigen. Da sich aber niemand ins Gesicht fassen soll, ist die Tiefe der Nase vermutlich kein geeigneter Aus­weichort.

Aber vielleicht soll das Nasebohren ja nur noch einmal gewürdigt werden, bevor es wegen zu großer Ansteckungsgefahr in der Versenkung verschwindet. Denn nach Angaben eines Psychologen tun es alle, Männer und Autofahrer besonders oft – also diejenigen, die in unserer Gesellschaft am Steuer sitzen.

Und gleichzeitig geht es um wertvolle Momente des Innehaltens. Denn wer damit beschäftigt ist, zeigt nicht mit dem Finger auf andere, sondern fasst sich an die eigene Nase. Insofern muss das Nasebohren eigentlich ein Kulturgut sein – wenn auch nur ein ziemlich popeliges.