Glosse: Smartphone als Außenhirn

Glosse : Außenhirn

Endlich ist klar, warum der moderne Mensch abhängig von seinem Smartphone ist. Denn dieses ist, so analysiert ein Psychologe, „eine Art ausgelagertes Gehirn“. Das beruhigt in gewisser Weise. Dachten doch viele inzwischen gar nicht mehr, dass Hirn überhaupt noch gefragt ist.

Aber es wurde nur „outgesourct“ – ein Erfolgrezept vieler Unternehmen, da kann es nicht falsch sein. Und während der Mensch sein Gehirn nur selten in die Hand nimmt und reinschaut, macht er es beim Smartphone ständig. Das könnte, da es nun sein Außenorgan ist, fast als Selbstreflexion gelten. Weiterer Vorteil: Das bisherige Hirn haben manche bisher bei Arbeitsbeginn an der Garderobe abgegeben. Das Smartphone dagegen wird an den Schreibtisch mitgenommen, damit es auch dort stören kann. Ein intellektueller Meilenstein!

Nur die Erkenntnistheorie muss diesem neuen Außenhirn-Zeitalter noch angepasst werden. Da lautet das Motto dann statt „Ich denke, also bin ich“ künftig: „Ich wische, also bin ich.“ Allerdings stammt es nicht vom Philosophen Descartes, sondern nur von der SD-Karte. Aber das klingt in der Sprachnachricht auf dem Smartphone ganz ähnlich.

Mehr von Saarbrücker Zeitung